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Amoklauf von Ansbach: Prozess hinter verschlossenen Türen

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Ansbacher Amokläufer Gutachter empfehlen Einweisung in Psychiatrie

Im Prozess gegen den Amokläufer von Ansbach haben Experten eine schizoide Persönlichkeitsstörung bei Georg R. festgestellt. Auch sei von einer "erheblichen Wiederholungsgefahr" auszugehen, der 19-Jährige benötige professionelle Hilfe.

Ansbach - Der Ansbacher Amokläufer Georg R. vermied es, vor Gericht seiner Mutter bei deren Aussage in die Augen zu sehen. "Ich glaube, er hat sich geschämt", schilderte Gerichtssprecher Manfred Eichner am Mittwoch seine Eindrücke von der nichtöffentlichen Vernehmung vor der Jugendstrafkammer des Landgerichtes Ansbach. Die seit 2002 in Scheidung lebende Frau habe eine "behütete und schöne Kindheit" des Angeklagten geschildert. Allerdings habe er sich nach dem Übertritt ins Gymnasium nicht wohlgefühlt.

Bei der Amoktat am 17. September 2009 am Gymnasium Carolinum waren zwei Schülerinnen schwer verletzt worden, zahlreiche weitere Schüler und einige Lehrerinnen erlitten Brandverletzungen durch die vom Täter gezündeten Molotowcocktails. Wegen des Amoklaufs wirft die Staatsanwaltschaft Georg R. unter anderem versuchten Mord in 47 Fällen vor. Zu Prozessbeginn am vergangenen Donnerstag hatte der 19-Jährige ein Geständnis abgelegt. Neben dem Sachverständigen wurden am Mittwoch weitere Schüler gehört, die von immer noch anhaltenden Alpträumen und Angstzuständen berichteten. Die Plädoyers und das Urteil werden am Donnerstag erwartet.

Jutta R. schilderte nach Angaben des Sprechers sehr emotional, dass sie am Tag vor dem Amoklauf noch mit ihrem Sohn und seinen zwei Schwestern zu Abend gegessen habe. Georg R. habe dabei "angespannt gewirkt", was sie der unmittelbar bevorstehenden Klassenfahrt nach Rom zugeschrieben habe.

Ausgegrenzt gefühlt

Der Vater sagte aus, sein Sohn habe sich schon in der 9. und 10. Klasse ausgegrenzt gefühlt, was sich in der Kollegstufe noch verschlimmert habe und zu einer fast kompletten Isolation geführt habe. Der wohl einzige Freund von Georg R. gab an, der 19-Jährige habe am Tag vor der Tat "depressiv und fertig" gewirkt. Beide hätten oft über Amokläufe gesprochen, wobei Georg R. den Täter von Erfurt als "coolsten Ossi" bezeichnet habe.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme äußerten sich schließlich am dritten Prozesstag der psychiatrische Gutachter sowie eine Expertin des Jugendamts. Sie attestierte dem Angeklagten eine Unfähigkeit, mit Aggressionen umzugehen. "Er lebt in einer Parallelwelt", zitierte Eichner die Jugendgerichtshelferin. Darum empfehle sie die Anwendung des Jugendstrafrechts und die Unterbringung in der Psychiatrie.

Ähnlich äußerte sich den Angaben zufolge auch der Gutachter. Als Begründung nannte er das "hohe Aggressionspotential und die erhebliche Wiederholungsgefahr", die von Georg R. ausgingen. Der 19 Jahre alte Angeklagte leide unter einer "schizoiden Persönlichkeitsstörung" und sei eher einem Jugendlichen als einem Erwachsenen gleichzustellen. Der Gutachter diagnostizierte für die Tat eine "erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit", woraus sich auch eine verminderte Schuldfähigkeit ergebe und empfahl eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht.

jdl/ddp
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