Anschläge in Norwegen Kommission bestätigt Breivik-Gutachten

Anders Breivik ist nicht zurechnungsfähig - zu diesem Schluss kamen zwei Rechtspsychiater in einem Gutachten. Eine Prüfungskommission hat nun diese Einschätzung bestätigt. Allerdings obliegt es letztlich dem Gericht, ob es sich der Meinung der Experten anschließt.

Attentäter Breivik: Gericht entscheidet letztlich über Einschätzung als unzurechnungsfähig
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Attentäter Breivik: Gericht entscheidet letztlich über Einschätzung als unzurechnungsfähig


Oslo - Eine norwegische Prüfungskommission hat das Gutachten zur fehlenden Zurechnungsfähigkeit des Massenmörders Anders Breivik untermauert. Die Kommission aus Rechtsmedizinern erklärte am Donnerstag in Oslo einstimmig, sie habe "keine Anmerkungen" zu dem Gutachten von zwei Rechtspsychiatern. Diese hatten Breivik Ende November als "psychotisch" und "paranoid schizophren" eingestuft. Diese Einschätzung war teilweise auf heftige Kritik im In- und Ausland gestoßen.

Die sieben Mitglieder des Gremiums teilten das Ergebnis ihrer Prüfung bereits am 29. November einem Osloer Gericht in einem Brief mit. Da die Prüfungskommission keine Einwände gegen das Gutachten hat, gilt die Einstufung des Täters als unzurechnungsfähig für das Gerichtsverfahren im nächsten Jahr als sehr wahrscheinlich.

Die endgültige Entscheidung über Breiviks Zurechnungsfähigkeit trifft das zuständige Gericht. Die Frage danach ist ausschlaggebend dafür, ob der 32-Jährige für die Tötung von 77 Menschen zu einer Haftstrafe verurteilt werden kann. Jemand, der als unzurechnungsfähig gilt, kann nicht ins Gefängnis kommen, sondern ausschließlich auf Dauer in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden. Die Einweisung muss alle drei Jahre überprüft werden.

Der 32-jährige Breivik hatte am 22. Juli bei zwei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen getötet. Breivik hatte zunächst eine Autobombe vor dem 18-stöckigen Regierungsgebäude in der Osloer Innenstadt gezündet. Anderthalb Stunden später erschoss er auf der 40 Kilometer entfernten Fjordinsel Utøya 69 Menschen, die meisten von ihnen Jugendliche.

Breiviks Vater Jens hat schon unabhängig von der Unzurechnungsfähigkeit ein Urteil über seinen Sohn gefällt. "Er ist der schlimmste Terrorist seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Breivik Senior. Sein Sohn habe Unschuldige ermordet und noch nicht einmal Reue gezeigt. "Ob er irre ist oder nicht - für mich ändert sich dadurch nichts", sagte der Vater des Attentäters. "Es ist und bleibt eine Katastrophe. Für mein Land und für mich persönlich."

ulz/dpa/Reuters



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