Anschlag auf Passauer Polizeichef Ein Attentat mutiert zum Rätsel

Sie hatten auf die Phantomzeichnungen gesetzt, doch bisher ist der Rücklauf eher schleppend: Die Ermittler im Fall Mannichl haben nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef bisher keine entscheidende Spur. Der Druck auf die Soko wächst.


Passau - Der mutmaßliche Täter und sein Komplize sollen auffällige Tattoos tragen - und dennoch ist unter den Hinweisen aus der Bevölkerung bisher nichts Entscheidendes dabei gewesen. Nach der Veröffentlichung zweier Zeichnungen am Freitag, die die auffälligen Tätowierungen von zwei gesuchten Männern zeigen, hätten sich am Wochenende einige Bürger gemeldet, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Diese Hinweise würden derzeit überprüft, ein heißer Tipp sei aber offenbar nicht dabei.

Die 50-köpfige Sonderkommission "Fürstenzell" sucht dem Sprecher zufolge noch immer "mit Hochdruck" nach dem Attentäter. Die Fahnder vermuten die militante rechtsextremistische Gruppierung "Nationale Autonome" hinter der Attacke, die in Bayern laut Verfassungsschutz rund 50 Mitglieder zählt. Dem lokalen Ableger "Freie Nationalisten München", dem das wegen einer möglichen Tatbeteiligung inhaftierte Ehepaar Manuel und Sabrina H. angehört, werden etwa 15 bis 20 Personen zugerechnet.

Mannichl war am Samstag vor einer Woche von einem Neonazi an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell unter anderem mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" niedergestochen und schwer verletzt worden. Der Angreifer beschimpfte ihn als "linkes Bullenschwein". Die Polizei ermittelt seitdem wegen versuchten Mordes. Der Polizeidirektor wurde am Freitag wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

Um den Angriff auf den Polizeichef zu verurteilen, trafen sich am Samstag rund 80 Demonstranten vor dem Innenministerium in München zu einer Mahnwache. Unter dem Motto "Nazis stoppen - nicht wegsehen" forderten sie "ein schärferes und gezielteres Vorgehen gegen Rechtsextremismus". Organisiert wurde die Aktion von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

Der VVN wies bei der Kundgebung darauf hin, dass es in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland mehr als 130 Mordopfer gab, die von Rechtsextremisten oder Neofaschisten umgebracht worden seien.

Auch in Mannichls Wohnort Fürstenzell ist eine Friedensaktion geplant: Am Montagabend will die Bevölkerung dort um 19 Uhr eine Lichterkette gegen Rechtsextremismus bilden.

jjc/ddp

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