Anschlag auf Passauer Polizeichef Rechtsradikales Ehepaar ist wieder frei

Wende im Fall Alois Mannichl: Manuel und Sabrina H., die im Verdacht standen, am Attentat auf den Passauer Polizeichef beteiligt gewesen zu sein, sind freigelassen worden. Der Haftbefehl gegen das Ehepaar aus der rechten Szene wurde aufgehoben.


Passau - Sie standen seit Mittwochabend unter dem Verdacht, an dem Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl beteiligt gewesen zu sein: Am heutigen Dienstag wurde das verhaftete Ehepaar Manuel und Sabrina H. nun freigelassen. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Der Verdacht habe nicht aufrechterhalten werden können, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag in Passau.

Die 22-jährige Frau und der 33-jährige Mann, die der rechten Szene in München angehören, seien am frühen Dienstagmorgen aus der Untersuchungshaft entlassen worden, sagte der Dortmunder Rechtsanwalt des Mannes, André Picker, SPIEGEL ONLINE. Der Jurist wurde per Fax über den Gerichtsbeschluss informiert - und zeigte sich überrascht.

Picker hatte Haftprüfungsantrag gestellt. "Der Termin war für den 30. Dezember anberaumt worden. Aber der Staatsanwalt kam dem zuvor. Er hat eingesehen, dass der dringende Tatverdacht nicht gegeben und der Haftbefehl nicht begründet ist", sagte Picker. Der Haftbefehl war mit dringendem Tatverdacht der Beihilfe sowie Flucht- und Verdunkelungsgefahr begründet worden.

Die Eheleute waren am 16. Dezember in ihrer Münchner Wohnung abgefangen und nach Passau gebracht worden, um dort als Zeugen auszusagen. Tags darauf wurde gegen sie Haftbefehl wegen Verdachts der "Beihilfe zum versuchten Mord" erlassen. Die Ermittler vermuten, dass sie den Messerattentäter kennen.

Zudem war Sabrina H. laut Zeugen am Tag des Attentats in Mannichls Wohnort Fürstenzell in Begleitung eines Mannes gesehen worden, auf den die von Mannichl gegebene Täterbeschreibung passt.

Manuel und Sabrina H. sind aktive Mitglieder der Münchner Neonazi-Szene. Sie gehören der militanten Kameradschaft Freie Nationalisten München an. Deren Credo lautet: München wird wieder deutsch! Kurzzeitig waren auch deren Vorsitzender, der führende Kader der Freien Kameradschaftsszene, Philipp Hasselbach, und dessen Freundin festgenommen worden.

Der unbekannte Attentäter ist weiterhin auf der Flucht

Noch im Laufe des Dienstags wollten Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Informationen zum Stand der Ermittlungen bekanntgeben. Derzeit gebe es aber keine konkreten Hinweise auf weitere Verdächtige.

Der unbekannte Täter, der Mannichl überfallen und schwer verletzt hatte, ist weiterhin auf der Flucht. Es gebe keinen neuen Erkenntnisse in dem Fall, teilte die Polizei mit. Die 50 Beamte umfassende Sonderkommission fahndet in ganz Deutschland und Österreich nach mehreren Männern mit auffälligen Tätowierungen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert inzwischen spezialisierte Kriminalbeamte für die Jagd auf Extremisten im Internet. Bund und Länder müssten dafür 500 Experten zur Verfügung stellen, teilte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Dienstag in Berlin mit.

Häufig seien die Staatsschutzabteilungen in den Polizeibehörden "personell ausgeblutet" und könnten nicht auch noch im Internet ermitteln, sagte Wendt. "Das Internet ist der größte Tatort der Welt, das gilt auch für politisch motivierte Kriminalität." Wichtig seien insbesondere Recherchen unabhängig von konkreten Straftaten, dies gebe es bislang aber kaum, kritisierte der Gewerkschaftschef.

Am Montagabend hatten mehr als 500 Menschen in Fürstenzell mit einer stillen Lichterdemonstration gegen Rechtsextremismus protestiert.

Mannichl war am 13. Dezember von einem Neonazi an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell unter anderem mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" niedergestochen und schwer verletzt worden. Der Angreifer beschimpfte ihn als "linkes Bullenschwein". Die Polizei ermittelt seitdem wegen versuchten Mordes. Der Polizeidirektor wurde am Freitag wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

jjc/AP/dpa

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