Anschlag auf Essener Sikh-Tempel Helfer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein junger Mann hat die Jugendlichen unterstützt, die auf einen Essener Sikh-Tempel einen Bombenanschlag verübt haben sollen. Dafür hat das Amtsgericht Münster den 20-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Sikh-Tempel nach dem Anschlag
DPA

Sikh-Tempel nach dem Anschlag


Im ersten Prozess um den Bombenanschlag auf einen Sikh-Tempel in Essen ist ein 20-jähriger Mann aus Münster zu 20 Monaten Jugendhaft auf Bewährung verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht sprach den Angeklagten der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat" sowie des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und das Waffengesetz schuldig.

Der Angeklagte wurde von dem Gericht angewiesen, an einem Aussteigerprogramm für Islamisten teilzunehmen, hundert Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, sich einmal wöchentlich bei der Polizei zu melden und Kontakt zur Bewährungs- sowie Jugendgerichtshilfe zu halten. Dazu erklärte er sich nach Angaben eines Gerichtssprechers selbst bereit.

Der Angeklagte gehörte nach Überzeugung des Gerichts zum Unterstützerkreis der Attentäter und war bei einer Probesprengung dabei. Nach Angaben von Gerichtssprecher Christoph Neukäter legte er in der nicht öffentlichen Verhandlung ein umfassendes Geständnis ab.

Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Laut Gericht wäre die Gefahr einer Stigmatisierung des noch jungen Angeklagten sonst zu groß und seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft gefährdet. Zum Prozess erschien der 20-Jährige vollständig vermummt. Er hatte sich einen schwarzen Schal um das Gesicht gewickelt, auf dem Kopf trug er eine schwarze Kappe, nur seine Augen waren noch zu erkennen.

Neukäter zufolge gab er zu, sich mit den mutmaßlichen Attentätern über WhatsApp-Gruppen zusammengeschlossen zu haben. Ziel sei es gewesen, mit Sprengstoffanschlägen gegen Andersdenkende vorzugehen. Dass der Angeklagte in die konkreten Anschlagspläne auf den Essener Tempel eingeweiht war, sei ihm aber nicht nachgewiesen worden.

An der Ausführung des Anschlags vom 16. April war der 20-Jährige nicht beteiligt - zu diesem Zeitpunkt saß er bereits in Untersuchungshaft. Als mutmaßliche Urheber des Attentats auf den Gebetsraum der Religionsgemeinschaft der Sikh, bei dem ein präparierter Feuerlöscher zur Explosion gebracht wurde, hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen drei Jugendliche vor dem Essener Landgericht erhoben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter steht noch aus.

Die Jugendlichen sollen die Sikh-Gemeinde als Anschlagsziel ausgewählt haben, weil sie mit der Behandlung von Muslimen durch Sikhs in Nordindien nicht einverstanden sind und Sikhs als Ungläubige ansehen. Zur Tatzeit fand in dem Gebetsraum eine Hochzeitszeremonie statt, wobei zu den Gästen überwiegend Sikhs unterschiedlicher Nationalitäten zählten. Bei der Explosion wurden ein Mann schwer und zwei weitere leicht verletzt.

ulz/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.