Anschlag in Bangkok Thailands Armee hat Verdächtige im Visier

Auf der Suche nach den Attentätern von Bangkok gibt es offenbar eine erste Spur. "Wir haben Verdächtige", sagte der Verteidigungsminister. Um wen es sich handelt, verriet er nicht.

REUTERS

Die Ermittler in Bangkok kommen bei der Suche nach den Hintermännern des Anschlags in der thailändischen Hauptstadt langsam voran. "Es wird immer klarer, wer die Bombenleger sind, aber ich kann das jetzt noch nicht öffentlich machen", sagte Verteidigungsminister Prawit Wongsuwan. "Wir haben Verdächtige. Es sind nicht viele Leute."

Konkrete Hinweise hat das Militär derzeit offenbar allerdings nur auf einen Mann, der kurz vor der Detonation am Tatort mit einem verdächtigen Paket gesehen wurde. Das habe die Auswertung von Videos aus Überwachungskameras ergeben.

Es hätten keine Geheimdiensterkenntnisse über einen drohenden Anschlag vorgelegen, betonte Prawit. Die Attentäter wollten der Regierung schaden und die Wirtschaft schwächen. "Sie wollen den Tourismus, die Wirtschaft und unser Land zerstören", sagte der Verteidigungsminister. "Aber in Krisenzeiten sind wir vereint."

Der Chef der thailändischen Militärjunta, Prayut Chan-O-Cha, sagte, der Verdächtige gehöre vermutlich einer regierungsfeindlichen Gruppe im Nordosten Thailands an, einer Hochburg der Rothemden-Bewegung. Der Anschlag vom Montag sei "der schlimmste Angriff" in der Geschichte des Landes, sagte der Regierungschef weiter.

Laut jüngsten Polizeiangaben wurden bei dem Attentat am Erawan-Schrein in einem belebten Einkaufsviertel 20 Menschen getötet und 123 weitere verletzt. Zunächst war von 22 Todesopfern die Rede, die thailändischen Behörden korrigierten aber ihre Angaben. Unter den Opfern seien Ausländer. Die chinesische Botschaft in Bangkok hat bestätigt, dass drei Landsleute bei der Explosion getötet wurden.

"Bei vielen Verletzten konnten wir die Nationalität noch nicht feststellen", sagte der Arzt Phetphong Kamjornjitjakarn. "Sie sind nicht in der Lage zu sprechen und hatten keine Identifikationspapiere bei sich."

Bombenspezialisten schätzten nach Angaben thailändischer Medien, dass der Sprengsatz drei bis fünf Kilogramm Sprengstoff enthielt. Die Detonation sei mit einem Zeitzünder ausgelöst worden. Die Ermittlungen zu den Bombenlegern seien schwierig, weil der Sprengsatz selbst völlig zerstört wurde und so keine Rückschlüsse auf die Hersteller gezogen werden können, sagte Bangkoks Polizeichef Somyot Pounpanmuang.

Dagegen sagte Armeechef und Vize-Verteidigungsminister Udomdej Sitabutr, die Art des Anschlags und die Bauweise des Sprengsatzes passten nicht zu den Methoden der muslimischen Rebellen im Süden Thailands. Die Separatisten galten zunächst als mögliche Tätergruppe.

syd/AP/Reuters/AFP/dpa



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