Bomben in Boston Tödliche Ladung im Schnellkochtopf

Schnellkochtöpfe, Metallkugeln und Nägel: Die Sprengsätze beim Anschlag in Boston waren darauf ausgerichtet, möglichst viele Personen zu verletzen. Ermittler werten nun Videoaufnahmen und Fotos vom Tatort aus - sie hoffen, die "Signatur der Bombe" zu entschlüsseln.
Ort der Explosion in Boston: Sprengsätze aus Schnellkochtöpfen

Ort der Explosion in Boston: Sprengsätze aus Schnellkochtöpfen

Foto: SHANNON STAPLETON/ Reuters

Boston - Der Anschlag beim Boston-Marathon wurde mit aus Schnellkochtöpfen gebauten Sprengsätzen verübt. In den Behältern waren Metallteile, Nägel und Kugeln aus Kugellagern enthalten. Das berichten die Nachrichtenagentur Associated Press, die "New York Times" und CNN übereinstimmend. Demnach wurden die Bomben mit den 6-Liter-Töpfen offenbar in schwarzen Taschen auf dem Boden abgelegt.

Bomben aus Schnellkochtöpfen werden immer wieder benutzt; Fälle sind laut einer Erhebung der US-Bundespolizei FBI und des Ministeriums für Heimatschutz aus Indien, Nepal und Pakistan bekannt. Der Kochtopf fungiert dabei als Druckbehälter, damit der Sprengstoff seine Wirkung entfaltet.

In den Bomben in Boston war offenbar kein C4 oder anderer hochwertiger Sprengstoff enthalten - Experten vermuten eher eine vergleichsweise einfache Konstruktion mit Schießpulver. CNN berichtet unter Berufung auf einen Ermittler, vermutlich sei kein Handy benutzt worden, um die Bomben zu zünden. Es spreche mehr für einen Zeitzünder.

Die "New York Times" zitiert den Vorsitzenden des Heimatschutzausschusses im Repräsentantenhaus, Michael McCaul, mit den Worten, die Behörden gingen davon aus, dass die Sprengsätze Ähnlichkeit mit Bomben haben, die in Afghanistan oder Irak gegen US-Truppen eingesetzt werden. Allerdings könne man nicht sagen, ob der Anschlag in Boston von Ausländern verübt worden sei. Auch einer von drei Sprengsätzen beim versuchten Bombenanschlag am Times Square im Mai 2010 war aus einem Schnellkochtopf gebaut.

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Boston-Marathon: Der Tag nach dem Anschlag

Foto: AP/ The Boston Globe

Die Sprengsätze in Boston waren nicht darauf ausgelegt, möglichst großen Schaden an Gebäuden anzurichten - sondern an Menschen. Davon gehen Ärzte an Krankenhäusern in Boston aus, an denen Verwundete versorgt werden. Ein Notarzt des Brigham and Woman's Hospital sagte, die aus den Körpern von Verletzten entfernten Metallteile "waren klar dafür vorgesehen, Projektile zu sein, und wurden in den Sprengsatz eingebaut". Manche Verletzten haben demnach Dutzende kleiner Metallteile im Körper; die Bomben sollten offenbar möglichst viele Personen verstümmeln.

Die Ermittler hätten umfangreiche Tipps erhalten, sagte der führende FBI-Ermittler Richard DesLauriers. "Dies wird eine weltweite Ermittlung." Man werde bis ans Ende der Welt gehen, um den oder die Verantwortlichen zu finden.

Derzeit werden Zeugen befragt und der Tatort untersucht. Bostons Polizeichef Ed Davis nannte das abgesperrte Gebiet um die Boylston Street "den komplexesten Tatort in der Geschichte unserer Polizei". Zunächst waren 15 Häuserblocks abgesperrt, später zwölf.

Ermittler sichten derzeit Videoaufnahmen und Fotos vom Tatort - in der Hoffnung, darauf jemanden zu finden, der die Beutel mit den Bomben platzierte. Selbst das kleinste Stückchen Schutt könne dabei helfen, die "Signatur der Bombe" zu entschlüsseln, zitierte CNN einen Insider. Nach Angaben des FBI vom Abend habe man ein Stück schwarzen Nylons, möglicherweise von einem Rucksack, und Teile von Nägeln sichergestellt.

Die Heimatschutzministerin Janet Napolitano erklärte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Anschläge Teil einer größeren Verschwörung seien. Laut FBI hat sich bisher niemand zu der Tat bekannt, man habe auch keine konkreten Hinweis auf einen oder mehrere Verdächtige. Präsident Obama wird am Donnerstag nach Boston fliegen, um an einem Gedenkgottesdienst teilzunehmen.

ulz/AP
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