Anschlag in Lüttich Zahl der Toten steigt auf sechs

Das Blutbad in der Innenstadt von Lüttich hat ein weiteres Todesopfer gefordert: Ein 75-jährige Frau erlag ihren schweren Verletzungen. In Belgien wird nach dem Attentat über eine Verschärfung der Waffengesetze diskutiert.
Kerzen, Blumen und ein Brief: Lüttich trauert um die Opfer des Anschlags

Kerzen, Blumen und ein Brief: Lüttich trauert um die Opfer des Anschlags

Foto: dapd

Lüttich - Zwei Tage nach dem Anschlag im belgischen Lüttich die Zahl der Toten auf sechs gestiegen. Eine 75-Jährige erlag in der Nacht zum Donnerstag ihren Verletzungen, wie ein Sprecher des Krisenzentrums mitteilte. Die Frau war bei dem Attentat des 33-jährigen Nordine Amrani am Dienstag verletzt worden und schwebte seither in Lebensgefahr. Die Behörden hatten am Dienstag zunächst bereits ihren Tod gemeldet, die Angaben jedoch später korrigiert. Etwa 20 Personen würden noch in Krankenhäusern behandelt, sagte der Sprecher des Krisenzentrums.

Der Täter hatte am Dienstag auf einem zentralen Platz in Lüttich drei Granaten gezündet und um sich geschossen. Zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren sowie ein 17 Monate altes Kleinkind wurden getötet. In einem Anbau am Haus des Täters fanden die Ermittler einen Tag später die Leiche einer 45-Jährigen, bei der es sich um die Putzfrau einer Nachbarin handelte. Amrani, ein wegen Waffen- und Drogenbesitzes, Hehlerei und Sittlichkeitsverbrechen vorbestrafter Mann, hatte sich nach den Bluttaten mit einem Kopfschuss selbst getötet.

Während immer mehr Details und Hintergründe der Tat ans Licht kommen, rückt eine Frage zunehmend in den Vordergrund: Wie konnte es zu der blutigen Tat kommen? Schließlich war der Täter für die Polizei kein Unbekannter. Schon als Jugendlicher war Amrani mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hatte unter anderem gestohlen und dafür Arbeitsstrafen ableisten müssen. 2003 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt. Später folgte eine langjährige Haftstrafe, unter anderem wegen Cannabis-Anbaus.

"Es gab nie Schwierigkeiten"

Eigentlich hätte Amrani bis Ende September 2012 einsitzen müssen, hieß es beim Berufungsgericht in Brüssel. Doch er wurde im Oktober 2010 vorzeitig auf freien Fuß gesetzt. Dies ist in Belgien möglich, wenn die Täter Auflagen erfüllen, die ihnen das Berufungsgericht auferlegt. Auch Amrani musste dem Gericht zufolge eine ganze Reihe Auflagen erfüllen: Er durfte keine Waffen mehr besitzen, musste einen festen Wohnsitz vorweisen, fing - da er arbeitslos war - eine Weiterbildung an. Zudem musste er sich regelmäßig bei einem Justizmitarbeiter melden und eine Therapie machen.

An diese Auflagen hielt sich Amrani laut offiziellen Angaben. "Es gab nie Schwierigkeiten", sagte der Präsident des Brüsseler Berufungsgerichtes Alex Delveaux. Sogar auf Drogentests wurden verzichtet, "weil es nie einen Verdacht gab". Doch bei Amrani zu Hause schaute niemand vorbei. Keiner kontrollierte, ob sich der 33-Jährige erneut Waffen beschafft hatte oder Cannabis bei sich zu Hause anpflanzte. "Das ist nicht üblich", sagte Delveaux. Auch Kontakt zwischen Therapeuten und Justiz gab es nicht.

Davon, dass Amrani etwa ein Jahr nach seiner Freilassung erneut mit dem Gesetz in Konflikt geriet und sich am Tag seines Anschlags dafür in Lüttich verantworten sollte, bekam beim Berufungsgericht in Brüssel bis zur Tat niemand etwas mit. Lüttich war zuständig. Nicht Brüssel.

Das Blutbad hat in Belgien eine Diskussion über eine Verschärfung der Waffengesetze angestoßen. So kündigte das belgische Justizministerium an, künftig deutlich härter gegen den Handel mit illegalen Waffen vorgehen zu wollen. Und auch die Überwachung von Rückfalltätern soll intensiviert werden.

wit/dapd/AFP
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