Anwalt von Kachelmanns Ex-Freundin "Freispruch dritter Klasse"

Das Urteil im Fall Kachelmann wird heftig diskutiert: Der Anwalt der Ex-Freundin des Wettermoderators zeigte sich trotz des Freispruchs alles andere als "am Boden zerstört". Das Gericht sei nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt gewesen.
Anwalt Thomas Franz, Kachelmanns Ex-Freundin: "Gericht glaubt Mandantin in Punkten"

Anwalt Thomas Franz, Kachelmanns Ex-Freundin: "Gericht glaubt Mandantin in Punkten"

Foto: Alex Grimm/ Getty Images

Mannheim - "Im Zweifel für den Angeklagten" - nach diesem Grundsatz hat das Landgericht Mannheim Jörg Kachelmann vom Vorwurf freigesprochen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben. Doch auch die Unschuld des Wettermoderators sei nicht bewiesen, urteilten die Richter. Von Reportern wurde Kachelmanns Anwältin Andrea Combé gefragt, ob dies nicht ein Freispruch zweiter Klasse sei. Rechtlich gesehen, so die Pflichtverteidigerin, gebe es keinen "Freispruch zweiter Klasse". Es gelte lediglich der Grundsatz "in dubio pro reo".

Thomas Franz, Anwalt von Kachelmanns Ex-Freundin, sieht das ganz anders. "Der Freispruch ist ein Freispruch dritter Klasse", sagte er der Illustrierten "Bunte". Er sei "auf keinen Fall am Boden zerstört", so Franz. In der Urteilsbegründung habe das Gericht deutlich gemacht, dass es "weder von der Unschuld von Herrn Kachelmann, noch von einer Falschaussage meiner Mandantin überzeugt" sei.

"Das Gericht hat klar gemacht, dass es meiner Mandantin in bestimmten Punkten glaubt", sagte Franz. Es sei aber Grundsatz des deutschen Rechts, dass ein Angeklagter freigesprochen werden muss, wenn Zweifel an seiner Schuld bleiben.

Es gebe keine "tragfähigen Beweise", dass Kachelmann die Frau im Februar 2010 mit einem Messer bedroht und vergewaltigt habe, sagte der Vorsitzende Richter Michael Seidling am Dienstag in der Urteilsbegründung.

Seidling verwies darauf, dass sowohl Kachelmann als auch seine 38-jährige Ex-Freundin in einigen Bereichen nachweisbar gelogen hätten. Aber auch alle weiteren Beweise wie DNA-Spuren, Verletzungen der Frau und psychologische Gutachten seien für sich gesehen nicht "geeignet, die Schuld oder gar die Unschuld des Angeklagten zu belegen".

Das Gericht sei überzeugt, so Seidling, die juristisch richtige Entscheidung getroffen zu haben. Eine Befriedigung verspüre die Kammer jedoch nicht. "Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht - ihn als potentiellen Vergewaltiger, sie als potentielle rachsüchtige Lügnerin."

hut/dpa/AFP
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