Gepanschte Drogen in Argentinien »Wir bitten dringend darum, dieses Kokain nicht zu konsumieren«

23 Menschen sind tot, 84 liegen auf der Intensivstation: Gestrecktes Kokain sorgt in Argentinien für Aufregung. Nun starten die Behörden einen bemerkenswerten Aufruf.
Krankenhaus in der Nähe von Buenos Aires: Immer mehr Notfälle nach Drogenkonsum

Krankenhaus in der Nähe von Buenos Aires: Immer mehr Notfälle nach Drogenkonsum

Foto: TOMAS CUESTA / AFP

Gesund ist der Konsum von Kokain in keinem Fall. Doch in Argentinien gibt es derzeit eine ganze Reihe von Todesfällen und Intensivpatienten, die mit dem Aufputschmittel in Verbindung stehen. Nachdem mindestens 23 Personen gestorben sind, haben sich die Behörden an potentielle Konsumenten gewandt.

Kokain, das in den vergangenen Tagen gekauft wurde, solle unbedingt vernichtet werden, hieß es aus dem Gesundheitsministerium, wie unter anderem der »Guardian« berichtet .

84 Menschen werden den Angaben zufolge derzeit auf Intensivstationen behandelt. Dutzende von ihnen müssen oder mussten beatmet werden. In dieser hohen Zahl war das unter anderem möglich, weil wegen der Pandemie zusätzliche Beatmungsgeräte zur Verfügung standen, wie Nicolás Kreplak von der Gesundheitsbehörde Buenos Aires erklärte: »Hätten wir nicht die Covid-Vorkehrungen getroffen, wäre die Zahl der Opfer wohl noch deutlich höher.«

Laut den Medizinern kann das Kokain binnen einer Stunde nach dem Konsum Herz- und Atemstillstand auslösen. Im lokalen Fernsehen und sozialen Medien waren kollabierte Menschen zu sehen, die von Angehörigen in die Krankenhäuser getragen wurden. Nach bisherigem Stand ist die Mehrzahl der Opfer männlich und zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Noch ist nicht klar, was genau in das Rauschmittel gemischt wurde, um derart drastische Reaktionen hervorzurufen. »Wir haben indirekte Hinweise, dass das Kokain mit einem Opiat gemischt wurde, weil Patienten eindeutig auf ein Gegenmittel gegen Opiate reagiert haben«, erklärte Sergio Berni, Sicherheitsminister in Buenos Aires.

Ein Dealer wurde bereits festgenommen

Ebenfalls ungeklärt ist, warum das verunreinigte Kokain in Umlauf gebracht wurde. Eine erste Theorie besagte, dass ein Kampf zwischen verfeindeten Drogenbanden dahinterstecken könnte. Der Verdacht: Mit den tödlichen Koks-Paketen hätte Konkurrenz vom Markt verdrängt werden sollen.

Möglich – und inzwischen sogar wahrscheinlicher – ist jedoch auch, dass das Kokain schlicht mit einem minderwertig hergestellten Opiat gestreckt wurde. Zuletzt wurde laut den Behörden ein Drogendealer aus Paraguay festgenommen. Bei dem Zugriff seien rund 15.000 Kokaintütchen sichergestellt worden, deren Farbe zu jenen passt, die die gefährlichen Reaktionen hervorrufen.

Nach Schätzungen werden unter den rund 15 Millionen Einwohnern im Großraum Buenos Aires täglich rund 200.000 einzelne Drogenrationen verkauft.

jok
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