Nachschub-Probleme Arizona wollte illegal Medikamente für Hinrichtungen importieren

In vielen US-Bundesstaaten werden die Mittel für Hinrichtungen knapp. Gerichtsunterlagen zufolge hat Arizona versucht, die Nachschub-Probleme mit einem illegalen Import zu lösen. Eine Bundesbehörde fing die Lieferung ab.

Gefängnis in Florence, Arizona: Keine Hinrichtungen seit Juli 2014
AP

Gefängnis in Florence, Arizona: Keine Hinrichtungen seit Juli 2014


Arizona ist mit dem Plan gescheitert, illegal Medikamente für Hinrichtungen zu importieren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) unter Berufung auf Unterlagen aus einem Gerichtsverfahren. Demnach soll der US-Bundesstaat 27.000 Dollar für Thiopental bezahlt haben, ein Narkosemittel.

Ermittler der Bundesbehörde für Nahrungs- und Arzneimittelsicherheit (FDA) fingen die Lieferung dem Bericht zufolge im Juli am Flughafen von Phoenix ab. Seither verweigert die Behörde die Herausgabe, weil das Mittel nicht mehr von FDA-zertifizierten Firmen hergestellt werde.

Die Strafvollzugsverwaltung bezweifelt, dass die FDA dazu berechtigt ist, die Lieferung unter Verschluss zu halten. Man habe zugesagt, das Medikament nicht einzusetzen, bis die FDA das Mittel überprüft und anerkannt habe. Doch auch dieser Kompromiss wurde abgelehnt.

Die Nachrichtenagentur AP ist an einer Klage gegen die Strafvollzugsbehörden Arizonas beteiligt, die den Staat zu mehr Transparenz bei Exekutionen zwingen will. Dadurch konnten Reporter die Dokumente einsehen, die den Importversuch belegen. Die Unterlagen zeigen laut AP nicht, aus welchem Land oder von welchem Hersteller die Lieferung kommt.

Nachschubprobleme für tödlichen Medikamentencocktail

Thiopental wird bei Hinrichtungen verabreicht, damit der Verurteilte nichts mehr spürt. Ein Lähmungsmittel soll verhindern, dass der Körper zuckt. Schließlich wird ein Mittel wie Kaliumchlorid gespritzt, damit das Herz aufhört zu schlagen.

Hintergrund des Falls sind die Probleme Arizonas und anderer Staaten mit der Todesstrafe, auf legalem Weg ihren Medikamentennachschub zu sichern. Weil Pharmafirmen - viele davon in Europa - Medikamente nicht verkaufen, wenn sie bei Hinrichtungen eingesetzt werden, können viele Todesurteile nicht mit den lange verwendeten Medikamentencocktails vollstreckt werden.

Manche Staaten haben die Todesstrafe unter anderem auch deshalb abgeschafft. Die FDA hatte etwa Anfang Juni Nebraska mitgeteilt, legal könnte ein für Hinrichtungen benötigtes Medikament nicht importiert werden. Da hatte der Bundesstaat bereits 54.400 Dollar an Harris Pharma bezahlt, einen Händler in Indien. Im April stimmten Abgeordnete in Nebraska dann dafür, keine Menschen mehr hinzurichten.

Bundesstaaten auf der Suche nach Alternativen

Ohio verschob geplante Hinrichtungen bis 2017. Und anderswo stieg man auf alternative Methoden um: Tennessee will den elektrischen Stuhl einsetzen, falls es an Medikamenten fehlt. Utah würde Verurteilte notfalls auch durch ein Erschießungskommando hinrichten.

Arizona hat seit Juli 2014 niemanden mehr hingerichtet. Damals war der zum Tode verurteilte Joseph Wood erst nach fast zweistündigem Todeskampf gestorben, Senator John McCain bezeichnete das als Folter. Ihm waren 15 Giftspritzen gesetzt worden, eine Kombination aus dem Beruhigungsmittel Midazolam und einem Schmerzmittel. Thiopental wurde Wood nicht verabreicht.

Arizona hat mitgeteilt, diesen Medikamentencocktail werde man nicht noch einmal verwenden. Man werde zudem mit neuen Hinrichtungen warten, bis über eine Klage entschieden sei, die mehrere zum Tode Verurteilte eingereicht hatten, darunter auch Wood. Die Kläger verlangen Auskunft über die bei Hinrichtungen verwendeten Medikamente.

Woods Anwalt Dale Baich kritisierte Arizona für den Importversuch. Wieder einmal versuchten die Strafvollzugsbehörden, das Gesetz zu umgehen, um Medikamente für Hinrichtungen zu bekommen. "Niemand steht über dem Gesetz, und das gilt auch für das Arizona Department of Corrections."

Hinrichtungen seit 1976

ulz/AP

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