Arme Milliardärin Klatten sah Anzeige gegen Erpresser als "einzige Chance"

Ihr Fall machte weltweit Schlagzeilen - auch weil sie als reichste Frau Deutschlands gilt. Jetzt äußert sich Susanne Klatten erstmals über die Affäre mit ihrem mutmaßlichen Erpresser, ihre Gefühle und Verletzungen.


Hamburg/München - Die Anzeige gegen den mutmaßlichen Erpresser Helg S. sei "ein Moment der Klarheit" gewesen, sagte Klatten der "Financial Times Deutschland". "Du bist jetzt ein Opfer, und du musst dich wehren. Ich wehre mich jetzt im Namen aller Frauen in meiner Familie. Und im Namen vieler anderer Frauen auch", sagte die verheiratete Mutter von drei Kindern.

Ihr Mann Jan habe ihr in dieser Zeit Mut gemacht: "Es war unsere einzige Chance. Anders geht das ewig weiter. Und das hält man nicht aus. Man muss sich wehren. Ich bin froh, dass ich das gemacht habe", so Susanne Klatten.

Die Unternehmerin glaubt, dass sie sich zu oft mit den falschen Personen eingelassen habe: "Ich habe häufig genug den Fehler gemacht, mich Menschen zu öffnen, die dieses Vertrauen nicht verdient haben. Dann wird man zum Opfer. Das ärgert einen. Das tut weh. Und ich frage mich hinterher: Wie konnte das passieren?"

Gründe für ihr Verhalten sieht sie auch in ihrem großen Vermögen, das durchaus Bürde sein kann: "Es verletzt mich, wenn ich immer nur im Maß des Geldes gemessen werde. Geld bewertet nicht, was oder wer ich bin. Es zieht einen Vorhang vor mich, der mich überhaupt nicht zeigt", so Susanne Klatten. "Ich möchte aber gesehen werden, als Mensch. Daraus hat sich ein für mich gefährliches Anliegen entwickelt, mich mitzuteilen. Und das kann manchmal bei den falschen Leuten passieren."

Nach der Anzeige gegen Helg S. im Januar versuchte sie, möglichst schnell Abstand von der Geschichte zu bekommen, wohl auch, um ihr Seelenheil zu behalten: "Ich habe mich innerlich davon distanziert. Schon um gesund zu bleiben, um sich nicht runterziehen zu lassen. Man ist ja das Ziel krimineller Energie."

Susanne Klatten habe in der Zeit gelernt, dass auch sie Fehler machen dürfe, wie andere Menschen. Sie sei auch nicht verantwortlich dafür, was der Rest der Welt von ihr erwarte.

Die Berichterstattung durch die Medien, das Auftauchen der Vernehmungsprotokolle hätten weh getan. "Man muss sich distanzieren, einen Schutz aufbauen. Sonst droht es, mir schlecht zu gehen", so die 46-Jährige. Nur am Anfang habe sie alles gelesen, danach nicht mehr. "Das geht mir zu nah. Ich bräuchte ein dickes Fell, aber das habe ich nicht."

Die Erlebnisse des vergangenen Jahres haben die Unternehmerin verändert: "Ich habe in den zwölf Monaten gelernt, mit dem Leben anders umzugehen, meinen Perfektionismus weiter abzulegen." Ein Weg, den sie weitergehen möchte. "Ich will gelassener werden. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, fröhlich zu werden", umreißt sie ihre Ziele.

In jüngster Zeit habe sie sehr viele Briefe von alten Freunden, Kollegen und Klassenkameraden bekommen. "Das berührt mich. Ich werde sehr wohl als Mensch wahrgenommen", so Susanne Klatten.

Die BMW-Großaktionärin Klatten gilt mit einem geschätzten Vermögen von bis zu neun Milliarden Euro als reichste Frau Deutschlands. Die Unternehmerin kontrolliert auch den Chemiekonzern Altana. Klatten hatte sich mehrfach mit S. in Hotels getroffen. Er soll sie zunächst mit einer erfundenen Geschichte von einem Unfall, für den ihn die Mafia verantwortlich mache, zur Zahlung von sieben Millionen Euro bewegt haben. Später soll er mit der Veröffentlichung von intimen Bildern gedroht und einen zweistelligen Millionenbetrag verlangt haben.

Im Januar zeigte Klatten den Mann an, kurz darauf wurde der 43-Jährige in Österreich festgenommen. Seit März sitzt er in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Noch in diesem Jahr soll Anklage gegen S. erhoben werden.

bog/dpa/AP



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