Jahrzehnte im Koma 1973 vergewaltigte Inderin ist tot

Eine indische Krankenschwester ist gestorben, 42 Jahre nachdem sie vergewaltigt wurde. Aruna Shanbaug hatte seit der Tat im Koma gelegen - ihr Fall löste eine Debatte über Sterbehilfe aus.

Aruna Shanbaug (Archiv): Nach 42 Jahren im Koma gestorben
AFP

Aruna Shanbaug (Archiv): Nach 42 Jahren im Koma gestorben


Aruna Shanbaug lag nach einer Vergewaltigung mehr als 40 Jahre lang im Koma. Nun ist die indische Krankenschwester tot. Sie war 1973 von einem Putzmann im Krankenhaus vergewaltigt und dabei so heftig gewürgt worden, dass sie ins Koma fiel. Am Montag sei die 66-Jährige in Mumbai gestorben, sagte ein Krankenhaussprecher. In den vergangenen Tagen soll sie an einer Lungenentzündung erkrankt sein.

Der Putzmann hatte Shanbaug im November 1973 während einer Nachtschicht aufgelauert. Mit einer Kette fesselte er die Krankenschwester an ein Bett, erst elf Stunden später wurde sie entdeckt. Wegen der fehlenden Sauerstoffzufuhr wurde ihr Hirn schwer geschädigt. Der Angreifer wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Die Autorin Pinky Virani, die eine Biografie über Shanbaug schrieb, hatte schon vor Jahren auf juristischem Weg versucht, eine weitere Behandlung zu stoppen - um ihrer Freundin einen würdigen Tod zu ermöglichen. Eine Debatte über Sterbehilfe begann. Die Krankenschwestern, die Shanbaug pflegten, kämpften gegen die Petition.

Indiens Supreme Court entschied 2011, die Koma-Patientin solle weiter versorgt werden, da ihre Freundin Virani als Nicht-Familienmitglied keine Sterbehilfe beantragen dürfe. In dem wegweisenden Urteil erklärten die Richter allerdings erstmals, dass passive Sterbehilfe in Ausnahmefällen möglich sei.

Virani sagte dem indischen Sender NDTV nach dem Tod Shanbaugs: "Ich danke Gott, dass ihr Leiden nun vorbei ist. Sie war wie ein Vogel im Käfig." Ihr wirklicher Tod sei bereits 1973 gewesen. Aber Aruna habe Indien "etwas Großes gegeben - ein Sterbehilfe-Gesetz".

wit/dpa/AFP



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