Getötete Arzu Ö. Mutter wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Die Mutter der von ihren Geschwistern getöteten Arzu Ö. aus Detmold ist zu einer einjährigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Sie soll einer Züchtigung ihrer Tochter beigewohnt und nichts dagegen unternommen haben.

Grablichter und Kerzen in Detmold: Gedenken an Arzu Ö.
DPA

Grablichter und Kerzen in Detmold: Gedenken an Arzu Ö.


Detmold - Der Mord an der 18-jährigen Arzu Ö. sorgte im November 2011 bundesweit für Schlagzeilen. Die eigenen Geschwister sollen das Mädchen aus religiösen Gründen zunächst entführt und dann getötet haben. Motiv für das Verbrechen war eine verbotene Beziehung Arzus zu einem Deutschen. Die Familie Ö. gehört zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Beziehungen zu Nichtjesiden sind ihnen nicht erlaubt.

Der Mutter wurde nun zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie am 27. August 2011 dabei war, als ihre Tochter wegen der verbotenen Beziehung von dem Vater und einem Bruder einige Tage festgehalten und mit einem Stock verprügelt wurde. Dabei erlitt Arzu zahlreiche Hämatome im Gesicht und am Körper. Das Amtsgericht Detmold hat einen Strafbefehl wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung erlassen, den die angeklagte Mutter vor Eröffnung der Hauptverhandlung annahm.

Wie die Staatsanwaltschaft Detmold in einer Presseerklärung mitteilte, hat das Gericht die Gefängnisstrafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagten wurde zudem die Auflage erteilt, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu verrichten.

Jetzt steht noch die Entscheidung des Bundsgerichtshofes in Karlsruhe über die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Detmold vom 4. Februar 2013 an. Das Landgericht hatte Arzus Vater wegen Beihilfe zum Mord und gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Nötigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Mann befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Arzus fünf Geschwister wurden zu Freiheitsstrafen von fünf Jahren und sechs Monaten, zehn Jahren sowie lebenslanger Haft verurteilt.

ala/dpa

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