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Anders Behring B.: Das Web und der Massenmörder

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Attentat in Norwegen Verfassungsschutz warnt vor Breivik-Nachahmern

Anders Breivik bereitete die Attentate in aller Stille vor, dann schlug er zu, tötete 77 Menschen - ein Alptraum für Ermittler. Deutsche Experten fürchten nach SPIEGEL-Informationen nun, dass der Norweger Islamgegnern als Vorbild dienen könnte.

Die deutschen Sicherheitsbehörden fürchten, dass der Attentäter von Norwegen zum Vorbild für militante Islamgegner werden könnte. "Er könnte als Blaupause für Nachahmer dienen", sagte der Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Alexander Eisvogel, dem SPIEGEL. "Aus Sicht von Terroristen war seine Planung akribisch und sorgfältig darauf bedacht, den Sicherheitsbehörden im Vorfeld nicht aufzufallen. Dies hat er alles in seiner Schrift tagebuchartig notiert. Genau diese Mischung aus den Anschlägen und deren öffentlich nachlesbar genau beschriebenen Vorbereitungen macht uns derzeit die größte Sorge."

Nach Einschätzung des Verfassungsschützers handelt es sich bei dem Attentat um eine "neue Form der Ausländerfeindlichkeit, die nicht mehr rassistisch, sondern kulturalistisch und ideologisch argumentiert", so Eisvogel.

Die Reaktionen in der rechtsextremistischen Szene seien bislang allerdings zurückhaltend bis ablehnend, "weil die ideologische Mischung der ca. 1500 Seiten, bestehend aus Mystifizierung der Tempelritter und Islamhass unter gleichzeitiger expliziter Ablehnung nationalsozialistischen Gedankenguts für deutsche Rechtsextremisten schwer verdaubar ist".

Heftige Kritik an der politischen Diskussion in Deutschland hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) geübt. "Wer dagegen kurz nach dem Vorfall in Norwegen Forderungen wie ein NPD-Verbot erhebt, instrumentalisiert, ja missbraucht das tragische Geschehen für seine eigenen innenpolitischen Zwecke", sagte Friedrich dem SPIEGEL. Nach dem Attentat hatte die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles auf ein neues NDP-Verbotsverfahren gedrängt, der innenpolitische Sprecher der Union, Hans-Peter Uhl, hatte die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung gefordert.

Wo versteckte Breivik das Material für die Bombe?

Die norwegischen Sicherheitsbehörden sind derzeit noch auf der Suche nach einem Großteil der von Breivik bestellten sechs Tonnen Düngemittel. Bei einem Treffen von Terrorexperten in Brüssel am vergangenen Donnerstag berichteten norwegische Ermittler, Breivik habe für die detonierte Bombe nur einen Bruchteil des Ausgangsstoffes gebraucht, der Verbleib des Restes sei unklar. Womöglich gibt es ein weiteres Depot mit Bombenmaterial.

Mittlerweile sind neue Details von Breiviks Festnahme bekannt geworden. Demnach haben die norwegischen Elitepolizisten vor dem Zugriff gefürchtet, dass Breivik Sprengstoff am Körper trage und wollten ihn erschießen. Breivik habe auf der Insel einen Ohrstöpsel getragen, der mit einem iPod verbunden gewesen sei, sagte der Leiter des Einsatzkommandos, Anders Snortheimsmoen, dem SPIEGEL. Die Polizisten hätten das Kabel des iPod zunächst irrtümlich für den Draht einer Bombe gehalten. Zudem hätten seine Leute beim Absuchen der Insel mit Benzin befüllte Plastikflaschen in den Bäumen gefunden, die Breivik dort offenbar angebracht hatte.

Nach der Festnahme sei der Attentäter zunächst mindestens eine halbe Stunde am Ort der Festnahme bewacht worden, ehe ihn die Polizisten in ein Haus auf der Insel brachten. Laut Snortheimsmoen hätte die Delta-Einheit die Zeit benötigt, um das Haus und die Umgebung zu sichern.

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