Attentate in Frankreich Serientäter von Toulouse trug Kamera bei sich

Drei Anschläge, alle verübt mit derselben Waffe, immer war der Täter auf einem Motorroller unterwegs, doch seine Identität bleibt ein Rätsel. Ein Augenzeuge hat nun ein Detail gemeldet: Der Mörder habe eine Kamera bei sich getragen - das könnte einen Hinweis auf seine Identität geben.

Höchste Alarmstufe: Polizisten vor der jüdischen Schule in Toulouse
AFP

Höchste Alarmstufe: Polizisten vor der jüdischen Schule in Toulouse


Paris - "Wir wissen bisher nicht, wer es ist", erklärte Frankreichs Innenminister Claude Guéant am Dienstag. "Die Suche geht weiter." Wer ist der Mörder von Toulouse? Wer erschoss drei Mädchen und einen Lehrer vor der jüdischen Schule, wer ermordete die insgesamt drei Fallschirmjäger in Toulouse und Montauban? In der Region rund um Toulouse hat die Polizei eine groß angelegte Fahndung nach dem Motorroller-Mörder gestartet, in manchen französischen Zeitungen ist von einer Treibjagd die Rede.

Sicher ist bisher: Alle Anschläge wurden mit derselben Waffe begangen, Kaliber 11,43 Millimeter, und offenbar demselben Fluchtfahrzeug, einem schwarzen Motorroller. Nun kam ein neues Detail hinzu: Offenbar trug der Mörder am Montagmorgen eine Kamera an seinem Körper, als er vor der Schule auf die Kinder und deren Eltern schoss.

Ein Augenzeuge habe berichtet, der Täter habe eine kleine Kamera bei sich gehabt, sie habe sich im Bereich des Halses befunden, sagte Innenminister Guéant. Es handle sich um einen Apparat, der auf der Brust platziert und mit Bändern festgeschnallt werde.

Behörden suchen Film im Internet

Nach einem Bericht des "Figaro" haben Ermittler den Apparat mittlerweile auch auf den Aufnahmen von Sicherheitskameras entdeckt, die im Eingangsbereich der jüdischen Schule installiert sind. Filmte der Täter den tödlichen Überfall? Die Behörden suchen nun im Internet nach einem entsprechenden Video. Bisher seien jedoch keine Spuren entdeckt worden. "Ich weiß nicht, ob er alles filmt, aber der Apparat wurde tatsächlich gesehen", so Guéant.

Die Kamera könnte einen Hinweis geben auf die Identität des Täters: Ermittler spekulieren, dass es sich bei dem Täter um einen früheren Soldaten handeln könnte, da der Mann im Umgang mit Waffen geübt ist. Auch ein rechtsextremer Hintergrund scheint möglich: Laut dem Magazin "Le Point" gab es im 17. Fallschirmjägerregiment, zu dem die ersten drei Todesopfer gehörten, Neonazis, die wegen rechter Parolen entlassen wurden.

Und laut "Figaro" spricht die Kamera für diese Version: Ein solcher Apparat sei bei Fallschirmjägern beliebt, "besonders bei den Eliteeinheiten". Die Soldaten würden damit Absprünge filmen, der Apparat werde aber zum Beispiel auch bei Spionage-Missionen eingesetzt.

Polizei sucht nach dunkelgrauem Motorroller

Die Ermittler suchen mit einem öffentlichen Aufruf nach dem Motorroller, mit dem der Täter bei den ersten beiden Mordanschlägen entkommen war. Es geht um einen dunkelgrauen T-Max 530 der Marke Yamaha mit schwarzem Kühler und schwarzen Felgen.

Ob der Unbekannte nach den Todesschüssen in der Schule ebenfalls mit dieser Maschine davonfuhr, ist noch unklar. Augenzeugen berichten, der Roller sei zwar vom selben Typ, aber weiß gewesen. Innenminister Guéant sagte, dass das Fahrzeug umgespritzt worden sein könnte.

Am Montagvormittag war um 11 Uhr in Frankreichs Schulen der Opfer des Anschlags mit einer Schweigeminute gedacht worden. Präsident Nicolas Sarkozy nahm in der Pariser Schule François Couperin gemeinsam mit Bildungsminister Luc Chatel an der von ihm angeordneten Andacht teil.

Sarkozy hatte am Vortag zudem für die betroffene Region die höchste Alarmstufe eines Anti-Terrorismus-Plans ausgelöst. Damit werden ab sofort Militärs und Polizisten an allen öffentlichen Plätzen patrouillieren, zudem wird die kommunale Polizei bewaffnet. Alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen werden besonders gesichert. Aus Paris rückte Verstärkung an.

bim/dpa/AFP

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
atherom 20.03.2012
1. Laut franz. Presse hat der Mörder
Zitat von sysopAFPDrei Anschläge, alle verübt mit derselben Waffe, immer war der Täter auf einem Motorroller unterwegs, doch seine Identität bleibt ein Rätsel. Ein Augenzeuge hat nun ein Detail gemeldet: Der Mörder habe eine Kamera bei sich getragen - das könnte einen Hinweis auf seine Identität geben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822474,00.html
nicht nur vor der Schule, sondern auch in der Schule gemordet. Kinder in (oder vor) der mit gezielten Schüssen zu töten, ist eigentlich keine rechtsextreme Spezialität. Gezielte Angriffe auf jüdische/isaelische Schulkinder gab es viele, an Rechtsextreme kann ich mich nicht erinnern.
Alimentator 20.03.2012
2.
[QUOTE3]... haben Ermittler den Apparat mittlerweile auch auf den Aufnahmen von Sicherheitskameras entdeckt ...[/QUOTE] Ach es existieren Aufnahmen des Täters? Womöglich auch noch des Rollers? Warum werden die nicht veröffentlicht? Das könnte doch bei der Suche helfen.
Ingmar E. 20.03.2012
3.
Ein erneuter Fall von fremdenfeindlichen Terror in Europa. Aber diejenigen Brandredner, die erst die Atmosphäre vergiftet haben, die Wohnzimmer-Redner versteckt hinter Pseudonym und Tastatur, die Menschen gegeneinander aufhetzen, und bestimmten Bevölkerungsgruppen Eigenschaften andichten, die werden sich leider nicht angesprochen fühlen. Es gibt auch hier im SpiegelOnline-Forum genügend Teilnehmer die Ablehnung gegenüber manchen Mitbürgern schüren, aufgrund deren Herkunft, Kultur oder Religion. Wenn dann was passiert, dann wäscht man seine Hände in Unschuld. Man muss als Gesellschaft sich schon viel früher empören, nicht erst wenn jemand zur Waffe greift, sondern schon dann, wenn man Menschen untereinander aufhetzt und die Atmosphäre in einer Gesellschaft vergiftet. "Die Geister die ich rief", werden sich vllt. in 10Jahren manche dieser Wohnzimmer-Brandredner denken.
Rodri 20.03.2012
4. ...
Zitat von sysopAFPDrei Anschläge, alle verübt mit derselben Waffe, immer war der Täter auf einem Motorroller unterwegs, doch seine Identität bleibt ein Rätsel. Ein Augenzeuge hat nun ein Detail gemeldet: Der Mörder habe eine Kamera bei sich getragen - das könnte einen Hinweis auf seine Identität geben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822474,00.html
Also Juden werden in der Regel von Islamisten angegriffen. Da der Typ aus einer Einheit mit vielen Moslems kommen könnte, wäre das auch naheliegend.
MonacoMartino 20.03.2012
5. "Spezialität"
Zitat von atheromnicht nur vor der Schule, sondern auch in der Schule gemordet. Kinder in (oder vor) der mit gezielten Schüssen zu töten, ist eigentlich keine rechtsextreme Spezialität. Gezielte Angriffe auf jüdische/isaelische Schulkinder gab es viele, an Rechtsextreme kann ich mich nicht erinnern.
Was wollen Sie mitteilen? In wessen "Spezialitätsbereich" fallen Ihres Erachtens derartige Taten? Mir fällt dagegen spontan Breivik ein. Wenn wir in der deutschen Geschichte etwas zurückgehen, finden wir genügend Beispiele für die gezielte Ermordung von Kindern (ganz pragmatisch, weil nicht arbeitsfähig). Glauben Sie ernsthaft, dass Anhänger rechtsextremen Gedankenguts zwar Erwachsene aufgrund Ihrer Rasse, Herkunft, Religion verachten, aber deren Kinder knuffig finden? Sie verachten Menschen, unabhängig von ihrem Alter. Das ist eine rechtsextreme Spezialität.
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