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28. Dezember 2006, 17:04 Uhr

Attentatsserie in Rio

Drogenmafia tötet 18 Menschen

Sie kamen mit Maschinenpistolen und Granaten. In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro haben Drogengangs mehrere Stunden brutal gewütet. Sie überfielen Polizeiwachen, Restaurants und Banken. Busse mit Passagieren wurden in Brand gesetzt. Traurige Bilanz: 18 Tote und Dutzende Verletzte.

Rio de Janeiro - Schwer bewaffnete Gruppen hätten in der Nacht (Ortszeit) unter anderem von fahrenden Fahrzeugen aus in der ganzen Stadt Polizei-Patrouillen und -Wachen mit Schüssen und Granaten angegriffen und auch mehrere Busse mit Passagieren in Brand gesetzt, wurde berichtet. Drei Tage vor den weltberühmten Silvester-Strandpartys in Rio habe es auch Anschläge auf Restaurants und Bankfilialen gegeben. Der Fernsehsender Globonews sprach von "vier Stunden ununterbrochenen Terrors", bei denen auch Dutzende Menschen verletzt worden seien.

Die meisten Todesopfer gab es im Norden Rios bei einem Anschlag auf einen Fernreisebus, der vom Bundesstaat Espirito Santo in die Wirtschaftsmetropole Sao Paulo unterwegs war. Etwa 30 zum Teil maskierte Männer hätten das voll besetzte Fahrzeug zum Halten gezwungen und sofort in Brand gesetzt. Im Wrack des Fahrzeugs seien mindestens sieben verkohlte Leichen geborgen worden, hieß es.

Unter den Todesopfern sind nach Angaben der Behörden insgesamt neun unbeteiligte Zivilisten, sieben mutmaßliche Verbrecher sowie zwei Polizisten. Eine Straßenverkäuferin sei etwa in der Nähe eines Einkaufszentrums von einer Kugel tödlich getroffen worden. Mindestens ein Kind sei schwer verletzt worden. Es habe stundenlange Schießereien zwischen der Polizei und Verbrechern gegeben. Drei Männer seien festgenommen worden.

Der Minister für Öffentliche Sicherheit des Bundesstaates Rio, Roberto Precioso, beklagte "eine wahre Tragödie". Er erklärte, die Mafiagruppen und Drogenhändlerbanden hätten sich vor dem für den 1. Januar angesetzten Regierungswechsel im Bundesstaat zusammengetan, um ein Signal zu setzen und vor neuen Sicherheitsmaßnahmen zu warnen.

Bürgermeister versucht, Menschen zu beruhigen

Die Polizei habe aber "Schlimmeres verhindern können". Der künftige Gouverneur Rios, Sergio Cabral versicherte, er werde nicht davor zurückschrecken, den Einsatz nationaler Sicherheitseinheiten in Rio bei der Zentralregierung in Brasilia zu beantragen.

Vor dem Hintergrund der erwarteten Silvester-Massenpartys mit Millionen Teilnehmern an den Stränden der Zuckerhutmetropole versuchte Bürgermeister Cesar Maia derweil, die Bevölkerung zu beruhigen. Er werde die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Zum Jahresende werden in Rio auch viele Persönlichkeiten aus dem Ausland erwartet. Unter anderen wolle Italiens Außenminister Massimo D'Alema Silvester in Rio erleben, schrieb die Zeitung "O Globo". Insgesamt werden in Rio zum 31. Dezember nach amtlichen Angaben 550.000 Touristen - davon 40 Prozent aus dem Ausland - erwartet.

Medien spekulierten, die Attentatswelle in Rio könne auch eine Antwort der Mafia auf die Zunahme so genannter "Privat-Milizen" in den Armenvierteln, den Bastionen der Drogenbanden, sein. Die von Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmännern gebildeten illegalen Gruppen bekämpften die "Narcos" seit Monaten mit zunehmendem Erfolg.

Erst im Mai dieses Jahres waren in São Paulo bei einer großen Attentatswelle der Mafia sowie bei Vergeltungsaktionen der Polizei innerhalb weniger Tage etwa 120 Menschen ums Leben gekommen. Die Angriffe auf Sicherheitsbeamte wurden nach Behördenangaben von der von inhaftierten Drogenbossen gegründeten Mafiagruppe "Erstes Hauptstadt-Kommando" (PCC) verübt.

dab/dpa

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