Mutmaßlicher "Gülle-Mord" Verteidiger sprechen von "schlichtem Unfall"

Ein 55-Jähriger soll seine Frau erst bewusstlos geschlagen und dann mit Gülle übergossen haben, sodass sie erstickte. Die Verteidiger des Angeklagten gehen von einem anderen Geschehen aus.

Tötete er seine Frau? Angeklagter im Landgericht Augsburg
Karl-Josef Hildenbrand/ DPA

Tötete er seine Frau? Angeklagter im Landgericht Augsburg


Am Landgericht Augsburg hat der Prozess im Fall eines mutmaßlichen "Gülle-Mordes" begonnen. Die Verteidiger des Angeklagten wiesen den Vorwurf zurück, dass der Landwirt seine Frau getötet habe.

Dem 55-Jährigen aus Schwaben wird vorgeworfen, seine Partnerin bewusstlos geschlagen und dann mit Gülle übergossen zu haben, bis sie erstickte. Der Mann bestreitet die Tat.

Seine Verteidiger sagten, dass es sich bei dem Tod der Frau wohl um einen "schlichten Unfall" handele. Die 51-Jährige sei im September 2018 auf dem Hof in Wallerstein wohl selbst in die Güllegrube gestiegen und dort gestürzt. Danach habe sie noch aus der Grube klettern können und sei dann gestorben. Bereits vor der Verhandlung hatten die Anwälte die Mordanklage als "abenteuerlich" bezeichnet.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann seine Partnerin umgebracht hat, weil sie sich scheiden lassen wollte. Der Mann habe das gemeinsame Vermögen für sich behalten wollen und deswegen bereits rund 130.000 Euro Bargeld versteckt.

Zusätzlicher Sachverständiger zugelassen

Zu diesen Vorwürfen äußerte sich der Mann bislang nicht selbst. Sein Anwälte bestätigten Eheprobleme des Paars. "Es ist richtig, dass die Ehe seit vielen Jahren nicht mehr als eine Zweckgemeinschaft war." Zu dem Zeitpunkt des Todes der Frau sei alles wie immer bei den Eheleuten gewesen, sagte einer der Verteidiger- "wie immer schlecht".

Den Schilderungen der Anwälte zufolge führte das Paar den Hof im Nebenerwerb. Der Mann sei schon lange der Ansicht gewesen, dass sich seine Frau zu wenig um die Landwirtschaft kümmere und habe ihr zuletzt auch kein Haushaltsgeld mehr gegeben.

Das Gericht ließ am ersten Prozesstag einen zusätzlichen Sachverständigen für das Verfahren zu. Die Anwälte des Angeklagten hatten den Chef des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin, Klaus Püschel, benannt, um die auf Basis des Gutachtens der Münchner Rechtsmedizin erstellte Anklage zu widerlegen. In einer ersten Stellungnahme vor dem Prozess hatte Püschel bereits erhebliche Zweifel an dem angenommenen Tatablauf vorgetragen.

Die Strafkammer hat 14 weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil wird im Januar 2020 erwartet.

bbr/dpa

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