Augsburg Mord an Prostituierter 1993 - Freier zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Gewaltverbrechen an einer Prostituierten in Augsburg ist nach einem Vierteljahrhundert aufgeklärt worden. Das Landgericht hat einen 50-Jährigen wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Angeklagter im Augsburger Strafjustizzentrum (Archiv)
Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Angeklagter im Augsburger Strafjustizzentrum (Archiv)


Fast 26 Jahre nach dem Mord an einer Prostituierten in Augsburg ist ein Freier der Frau zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Augsburg hält den 50 Jahre alten Angeklagten aufgrund von Indizien für überführt. Der Mann wurde außerdem wegen Vergewaltigung einer Bekannten verurteilt.

Die Richter folgten mit dem Urteil dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die beiden Verteidiger des Mannes hatten auf Freispruch plädiert. Die Indizien reichten für eine Verurteilung nicht aus, argumentierten die Anwälte. Sie gehen zwar davon aus, dass ihr Mandant in der Tatnacht Sex mit der Prostituierten hatte, Täter sei aber ein unbekannter späterer Kunde gewesen.

In einem Verfahren wie diesem könne es keine hundertprozentige Sicherheit geben, sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser. Eine Sicherheit, die vernünftige Zweifel nicht mehr aufkommen lasse, reiche aber für eine Verurteilung aus.

Diese Sicherheit sah die Strafkammer insbesondere wegen der DNA-Spuren des Mannes an Kleidungsstücken der Prostituierten. "Man fand Sperma des Angeklagten an der Leggins", sagte Riedel-Mitterwieser. Diese Spuren ständen "in eklatantem Widerspruch" zu den Aussagen des Angeklagten bei der Polizei, wonach er nie bei der 36-Jährigen gewesen sei.

120 Zeugen gehört

Die Prostituierte hatte Anfang der Neunzigerjahre auf dem Augsburger Straßenstrich gearbeitet. In einer Nacht im September 1993 wurde sie erwürgt. Die Leiche wurde etwa 15 Kilometer vom Tatort entfernt in Gessertshausen an der Bahnlinie Augsburg-Ulm abgelegt.

In den Neunzigerjahren konnte die Kripo den Fall trotz aufwendiger Ermittlungen nicht klären. Vor einigen Jahren nahm sich die Polizei den ungeklärten Mordfall nochmals vor und fand neue DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers. Dies führte dann zu der Festnahme des nun Verurteilten. In dem vier Monate dauernden Prozess schwieg er zu dem Mordvorwurf.

In den 25 Verhandlungstagen wurden mehrere Sachverständige und rund 120 Zeugen gehört. Darunter waren andere Freier der getöteten Prostituierten. Sie konnten der Richterin zufolge alle als Täter ausgeschlossen werden.

Außerdem verurteilte die Kammer den Angeklagten wegen einer Vergewaltigung im Jahr 2017. Zu diesem Vorwurf hatte der Mann ebenfalls geschwiegen. Das Gericht betrachtete das Opfer, eine Bekannte des Täters, aber als völlig glaubwürdig.

bbr/wit/dpa



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