SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Februar 2014, 17:02 Uhr

Augsburger Polizistenmord

Verteidigung plädiert auf Freispruch

Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern im Prozess um den Mord an einem Augsburger Polizisten die Höchststrafe: lebenslange Haft und Sicherungsverwahrung. Die Verteidiger sehen hingegen keinen Beweis dafür, dass der Angeklagte überhaupt am Tatort war - und verlangen einen Freispruch.

Augsburg - Unterschiedlicher könnten die Forderungen nicht sein: Im Prozess um den Mord an einem Augsburger Polizisten haben die Verteidiger einen Freispruch verlangt. Es gebe größte Zweifel, dass der Angeklagte Rudolf R. am Tatort im Stadtwald war, als der 41-jährige Beamte Ende Oktober 2011 erschossen wurde, sagte Rechtsanwalt Kai Wagler vor dem Landgericht Augsburg. R. ist auch wegen mehrerer Raubüberfälle angeklagt. Sein zweiter Anwalt Markus Meißner forderte in diesem Punkt ebenfalls einen Freispruch.

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger hatten für den 58-jährigen R. lebenslange Haft wegen Mordes sowie anschließende Sicherungsverwahrung beantragt. Zudem verlangten sie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dies würde im Falle einer Verurteilung bedeuten, dass der Angeklagte auch ohne Sicherungsverwahrung voraussichtlich mehr als 20 Jahre in Haft sitzen müsste.

R. hatte vor 39 Jahren bereits einmal bei Augsburg einen Polizisten erschossen. Rechtsanwalt Walter Rubach, der die Witwe und die Schwester des Opfers von 2011 vertritt, betonte in seinem Plädoyer, dass R. nach der ersten Mordverurteilung nie aus der Haft hätte entlassen werden dürfen.

Das Gutachten, das dem Mörder damals eine positive Zukunftsprognose gab und zur Freilassung nach fast 20 Jahren führte, sei "pseudowissenschaftlicher Mist" gewesen. Der Angeklagte habe dann seine kriminelle Laufbahn fortgesetzt und von schwersten Straftaten gelebt, sagte Rubach. Dies sei nach der Haftentlassung aber nie kontrolliert worden. Rubach nannte R. einen "skrupellosen Mörder".

R. soll 2011 gemeinsam mit seinem Bruder Raimund M. nach einer Verfolgungsjagd den Polizisten erschossen haben. Das Verfahren gegen den 60-jährigen Bruder wurde wegen dessen Parkinsonerkrankung ausgesetzt und soll später in diesem Jahr von vorne beginnen.

Verteidiger Wagler argumentierte, dass nach den vorliegenden Spuren wohl der Bruder mit einem unbekannten Mann am Tatort gewesen sei, nicht aber sein Mandant. Die Strafkammer will am Donnerstag kommender Woche das Urteil verkünden.

wit/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung