Anhörung zu Aurora-Morden Warum der "Verdächtige A" namenlos bleiben soll

In Kürze wird der mutmaßliche Todesschütze von Aurora dem Richter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, ob sie im Prozess die Todesstrafe fordern wird. Bis dahin will der Gouverneur dem 24-Jährigen so wenig Aufmerksamkeit wie möglich verschaffen.

AFP

Aurora - James Holmes hat Aurora getroffen, aber er kann den Geist des Ortes nicht brechen - diese Botschaft versuchen die Bürger der Stadt seit den tödlichen Schüssen in einem Kino zu verbreiten. Viele haben vereinbart, den Namen des mutmaßlichen Täters nicht zu nennen, um ihm keine Aufmerksamkeit zuzugestehen. Dem schloss sich auch Colorados Gouverneur John Hickenlooper an. "Ich weigere mich, seinen Namen zu sagen. Wir werden ihn einfach Verdächtiger A nennen", sagte er.

Während die Stadt noch trauert, kristallisieren sich bereits die zentralen Akteure des zu erwartenden Prozesses heraus. Da ist Holmes, der Verdächtige. Er soll in dem Kino zwölf Menschen erschossen und 58 verletzt haben. Holmes schoss laut Polizei in dem Kinosaal mit drei verschiedenen Waffen um sich. Eine davon, ein Sturmgewehr, hatte laut einem Bericht der "Washington Post" Ladehemmung - sonst wären dem Schützen womöglich noch mehr Leute zum Opfer gefallen. Ermittler fanden in seinem Auto eine weitere Pistole. Alle Waffen hatte Holmes legal gekauft.

Der 24-Jährige sitzt derzeit in Einzelhaft, um ihn vor anderen Gefangenen zu schützen. Holmes wird am Montag um 9.30 Uhr Ortszeit vor Richter William Sylvester zu einer ersten Anhörung erwartet. Der Gerichtstermin wird vermutlich nicht besonders lange dauern. Bei der kurzen Sitzung soll eine Anklage wegen Mordes verlesen werden. Holmes wird durch einen Pflichtverteidiger vertreten.

"Er spricht nicht mit uns"

Vor der Anhörung wurde bekannt, dass Holmes nicht mit den Behörden spricht. Auroras Polizeichef Dan Oates sagte, Holmes verschanze sich hinter seinem Anwalt. "Er spricht nicht mit uns."

In einem möglichen Prozess könnte Carol Chambers die große Gegenspielerin des Verdächtigen werden. Die Staatsanwältin im Bezirk Arapahoe wird entscheiden, ob sie die Todesstrafe für Holmes anstrebt. Chambers hat bei zwei von drei Todeskandidaten in Colorado die Anklage geführt. Es ist unklar, ob sie ihre Pläne im Fall Holmes bei der Anhörung am Montag bekanntgibt.

"Wenn James Holmes nicht exekutiert wird, kann Colorado sein Todesstrafengesetz gleich wegwerfen", sagte der frühere Staatsanwalt Craig Silverman. In dem US-Bundesstaat wurde zuletzt 1997 eine Person hingerichtet - die einzige seit 1977. 2009 wäre die Todesstrafe laut dem Death Penalty Information Center fast abgeschafft worden.

Holmes war nach den tödlichen Schüssen auf einem Parkplatz hinter dem Kino festgenommen worden. Er selbst sagte der Polizei, in seiner Wohnung befinde sich explosives Material. Tatsächlich fanden die Ermittler in dem Apartment ein ausgeklügeltes System von Sprengfallen. Es dauerte rund anderthalb Tage, bis die Polizisten die Wohnung betreten konnten. Eine Vorrichtung war zuvor durch den Einsatz eines Roboters kontrolliert ausgelöst worden.

Laute Musik aus dem leeren Apartment

Ursprünglich wollte Holmes offenbar gezielt weitere Menschen in die Falle locken. Eine Nachbarin berichtete, um Mitternacht sei plötzlich laute Musik aus dem Apartment über ihr zu hören gewesen. Doch um diese Zeit war Holmes - darauf deutet zumindest alles hin - gar nicht zu Hause, sondern bereits im Kino. Die Nachbarin ging nach oben, um sich zu beschweren. Die Tür sei unverschlossen gewesen, berichtete sie. Doch als niemand reagierte, ging sie wieder nach unten. Um ein Uhr hörte die Musik auf, circa eine Stunde später erreichten Spezialeinheiten das Gebäude. Offenbar spielte Holmes die Musik mit einer Zeitschaltung ab.

An der Gefährlichkeit der Vorrichtungen in Holmes' Wohnung ließ die Polizei keinen Zweifel. Sprengstoffexperten sagten, das ganze Haus hätte zerstört werden können, wenn alles wie geplant gezündet hätte. Ermittler berichteten von einer Kombination aus Sprengsätzen und Behältern mit brennbaren Flüssigkeiten. Eine Entzündung hätte einen zerstörerischen Domino-Effekt ausgelöst, zitiert die Website Daily Beast einen Ermittler. Wenn Holmes' Plan funktioniert hätte, "wäre das katastrophal gewesen".

Am Wochenende hatten sich Tausende Menschen zu einer Gedenkveranstaltung in Aurora versammelt. Präsident Barack Obama traf sich mit Angehörigen der Opfer und Überlebenden. Obama sagte, später werde man sich nur an die Opfer, nicht aber an den Täter erinnern.

Holmes hat offenbar versucht, Mitglied eines Waffenclubs zu werden. Glenn Rotkovich, Besitzer eines Schießstands, sagte, Holmes habe im vergangenen Monat einen Mitgliedsantrag ausgefüllt. Diesem sei aber wegen seines Verhaltens und einer seltsamen Mailbox-Ansage nicht entsprochen worden. Holmes habe am 25. Juni geschrieben, er nehme keine illegalen Drogen und habe keine Vorstrafen. Rotkovich versuchte nach eigenen Angaben, Holmes zurückzurufen. Die Mailbox-Ansage des 24-Jährigen sei bizarr gewesen. Rotkovich sagte, er habe seinen Angestellten befohlen, Holmes nicht zum Mitglied zu machen.

ulz/hut/Reuters/AP



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Seite 1
dekkers.e 23.07.2012
1. Der Gouverneur will so wenig Aufmerksamkeit wie möglich
Die Medien - insbesondere in Deutschland - wollen aber das Gegenteil. Mit USA und Waffen lässt sich Quote machen und die eigene Ideologie befriedigen. Verschwiegen wird dabei, dass in Europa täglich mehr Menschen durch Messer getötet werden als durch diesen Amokläufer.
spon_2114428 23.07.2012
2.
Nichts für ungut. Ich habe Verständniss für trauernde Opfer und Angehörige! Was ich aber nicht verstehe ist diese Dämonisierung des "Verdächtigen A"! Habe mich etwas an Harry Potter und Voldemort erinnert gefühlt ;) Das zeitgleich in anderen Ländern dutzende bei ANschlägen drauf gehen scheint in den USA niemanden zu interessieren. Nur die "paar" Toten bei Ihnen sind erwähnenswert?! Wo ist die Empörung ob der Toten in anderen Ländern? Zudem sind die Amis leider selber Schuld. Nicht daran das der Typ durchgeknallt war/ist, sondern das er sich ohne Probleme ganz legal nen Sturmgewehr, was zur Hölle soll ne Privatperson damit, besorgen konnte neben den anderen Waffen! Liebe Amis denkt mal ganz in Ruhe drüber nach! ..........seht ihr, sage ich ja
Bedlam 23.07.2012
3. Ein Anfang...
Zitat von sysopAFPIn Kürze wird der mutmaßliche Todesschütze von Aurora dem Richter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft muss entscheiden, ob sie im Prozess die Todesstrafe fordern wird. Bis dahin wollen die Behörden der Person des 24-Jährigen so wenig Aufmerksamkeit wie möglich verschaffen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,845844,00.html
Die Aufmerksamkeit und der zweifelhafte Ruhm, dessen sich solche Irren durch die Dauerberichterstattung der Medien sicher sein können, ist doch zum Teil das Ziel der Täter. Die Medien, auch SpOn, müssten ihre Rolle bei derartigen Ereignissen viel kritischer beleuchten. Es muss ein Umdenken stattfinden was die Berichterstattung in solchen Fällen angeht.
bolle3 23.07.2012
4. Verhalten
Ich empfinde, daß verhalten der Bürger von Aurora und anderen als Gut und sehr wichtig. Ich plädiere ja schon lange dafür, den Namen des Täters und Fotos nicht zu zeigen.- Unsere Aufmerksamkeit sollte den Opfern gewidmet werden. Die Tat ist ja geschehen, und eine Frage zu stellen nach dem Warum ( das fragen Kinder in einem bestimmten alter ca- 4-5 Jahren) macht ja kein Sinn es ist einfach nur Wahsinn, würde die Frage beantwortet werden, dann kömmt das nächste warum. Okay das die legeslative u. Exekutive, welche Ihre Arbeit machen wollen ist klar, aber dies zweck zu entfremden, um mehr Kontrolle zu bekommen über Menschen die sich nicht Normal verhalten , zudem was ist Normal, daß ist wirklich nicht nötig und macht keinen Sinn. Bitte Spiegel Team, schließen Sie sich dem an den Namen des Täters oder Fotos nicht zu zeigen oder zu nennen. Evlt. ein Bericht so in täglicher form von den jeweiligen Opfern wäre gut. Mfg Bolle3
malaclypse_the_younger 23.07.2012
5. Da fehlen ein paar Sätze zur Erläuterung, z.B.
Viele haben vereinbart, den Namen des mutmaßlichen Täters nicht zu nennen, um ihm keine Aufmerksamkeit zuzugestehen. Dem schloss sich auch Colorados Gouverneur John Hickenlooper an. "Ich weigere mich, seinen Namen zu sagen. Wir werden ihn einfach Verdächtiger A nennen", sagte er. Wir von Spiegel online pfeifen darauf und beginnen diesen Artikel nicht nur mit dem Namen James Holmes, sondern verwenden ihn gleich 22 mal. Und um Holmes, Holmes, Holmes die gewünschte Aufmerksamkeit zu schenken, veröffentlichen wir unnütze Artikel über ihn, wie z.B. was er banales im Internet getrieben hat.
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