Befangenheitsanträge Auschwitz-Prozess in Neubrandenburg geplatzt

Der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter des KZ Auschwitz vor dem Landgericht Neubrandenburg ist geplatzt. Grund hierfür sind mehrere Befangenheitsanträge gegen Richter.

Angeklagter Hubert Z. vor dem Landgericht in Neubrandenburg
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Angeklagter Hubert Z. vor dem Landgericht in Neubrandenburg


Das Neubrandenburger Verfahren gegen Hubert Z., einen früheren SS-Sanitäter im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, muss von vorn beginnen. "Wann dies sein wird, ist nicht vorherzusagen", sagte Gerichtssprecher Carl Friedrich Deutsch. Die Ursache hierfür seien mehrere Befangenheitsanträge der Staatsanwaltschaft und eines Nebenklägers gegen zwei Richter.

Der Prozess gegen den 96-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen hatte nach langem Streit um die Gesundheit des Angeklagten am 12. September begonnen. Eigentlich sollte die Verhandlung am kommenden Montag weitergehen. Der 10. Oktober war wegen der Strafprozessordnung der letztmögliche Fortsetzungstermin, danach muss die Verhandlung neu starten.

Dies trete nun ein, erklärte Deutsch. Den betroffenen Richtern müsse die Gelegenheit gegeben werden, sich mit angemessener Frist zu den Vorwürfen zu äußern. Es sei unmöglich, bis Montag eine Entscheidung zu treffen.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin wirft dem 96-Jährigen vor, als Angehöriger der SS-Sanitätsstaffel im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau vom 15. August bis zum 14. September 1944 "das arbeitsteilige Lagergeschehen unterstützt zu haben, wobei ihm spätestens seit Oktober 1943 der industrielle Anlauf der Massentötungen, deren Hintergründe und deren Zielrichtung bekannt waren", wie es in der Anklageschrift heißt.

Der Angeklagte habe gewusst, dass er durch seine Tätigkeiten die auf Arbeitsteilung beruhende Vernichtung der Häftlinge förderte. In Birkenau starben insgesamt 1,1 Millionen Menschen.

pem/dpa/AFP



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