Auslieferungsgesuch der USA Starregisseur Polanski bricht sein Schweigen

Er steht seit Monaten wegen Vergewaltigung unter Hausarrest, jetzt äußerte sich Roman Polanski erstmals öffentlich: Das US-Auslieferungsgesuch an die Schweiz basiere auf einer Lüge, teilt der Regisseur auf einer Internetseite mit. Die USA würden ihn den Medien "zum Fraß vorwerfen" wollen.

Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski: Angst vor Auslieferung an die USA
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Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski: Angst vor Auslieferung an die USA


Paris - Seit seiner Verhaftung im September letzten Jahres gab es keine öffentliche Stellungnahme von dem in der Schweiz unter Hausarrest stehenden Starregisseur. Am Sonntag hat Roman Polanski sein Schweigen gebrochen und sich gegen das US-Auslieferungsgesuch zur Wehr gesetzt.

Unter der Überschrift "Ich kann nicht länger schweigen" veröffentlichte der 76-Jährige in mehreren Sprachen im Internet eine Stellungnahme. Er wende sich an die Öffentlichkeit, "weil das Auslieferungsgesuch an die Schweiz auf einer Lüge basiert", heißt es darin.

Die Vereinigten Staaten verlangten seine Auslieferung "und das mehr, um mich den Medien der ganzen Welt zum Fraß vorzuwerfen, als um ein Urteil zu vollstrecken, über das schon vor dreiunddreißig Jahren eine Übereinkunft erzielt worden ist", heißt es in dem Text, der auf der Internetseite "La régle du jeu" veröffentlicht ist.

Polanski wird vorgeworfen, 1977 eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Er soll das Mädchen in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und sie dann vergewaltigt haben. Polanski bekannte sich damals schuldig. Nach 42 Tagen Haft hatte er sich 1978 der Fortsetzung des Verfahrens entzogen, war ins Ausland geflohen und seither nicht mehr in die USA zurückgekehrt.

"In Frieden und als freier Mann zu meiner Familie zurückkehren"

In seiner nun veröffentlichten Erklärung bestätigte Polanski, dass er sich vor 33 Jahren schuldig bekannte. Er habe damals im Staatsgefängnis von Chino ein Strafe verbüßt, "die eigentlich die Gesamtstrafe darstellen sollte". Nach der Entlassung aus dem Gefängnis habe der Richter seine Meinung jedoch geändert und erklärt, die in Chino verbüßte Haft sei nicht die Gesamtstrafe. "Wegen dieses Rückziehers verließ ich damals die Vereinigten Staaten", schreibt Polanski.

Seine Anwälte würden ihm nun seit drei Jahrzehnten sagen, dass ihn der Richter hintergangen habe und meineidig geworden sei. Nach Auffassung seiner Anwälte habe er bereits seine Strafe verbüßt. Der neue Staatsanwalt, der sich mit dem Fall befasst, befinde sich in Kalifornien im Wahlkampf und benötige die Aufmerksamkeit der Medien, erklärte Polanski. Er hoffe, die Schweiz werde einsehen, dass es keinen Grund für eine Auslieferung gebe, "so dass ich in Frieden und als freier Mann in mein Land und zu meiner Familie zurückkehren kann".

Ein US-Berufungsgericht in Kalifornien hatte vor gut einer Woche entschieden, dem Oscar-Preisträger dürfe in dem mehr als drei Jahrzehnte laufenden Verfahren nicht in Abwesenheit der Prozess gemacht werden. Nun müssen die Schweizer Justizbehörden über eine Auslieferung entscheiden.

Der in Frankreich geborene Regisseur, der für den Film "Der Pianist" (2002) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, war am 26. September 2009 auf Veranlassung der US-Justiz bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Anfang Dezember wurde er gegen eine Kaution von drei Millionen Euro aus der Auslieferungshaft entlassen. Polanski muss eine Fußfessel tragen und steht in seinem Haus in Gstaad unter Arrest.

lgr/AFP/AP

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2funky 02.05.2010
1. what a pity
Nach 42 Tagen Haft hum... wen man eine 13 Jährige mit 44 mit Drogen und Alkohol abfüllt und sexuell missbraucht - naja da hab ich kein mitleid egal wie berühmt er ist und welche tolle Filme er gemacht hat.
Axel123456789, 02.05.2010
2. Verstehe ich das richtig?
Herr Polanski hat 42 Tage im Gefängnis verbracht. Er ist der Überzeugung, dass er mit diesen 42 Tagen für das Verabreichen von Drogen und Alkohol an ein 13-jähriges Kind sowie die anschließende Vergewaltigung dieses 13-jährigen Kindes die vollständige, gerechte Gesamtstrafe bereits hinter sich gebracht hat. Habe ich das richtig verstanden? 42 Tage? Ist das ein Übersetzungsfehler?
albert schulz 03.05.2010
3. So was aber auch
Zitat von sysopEr steht seit Monaten wegen Vergewaltigung unter Hausarrest, jetzt äußerte sich Roman Polanski erstmals öffentlich: Das US-Auslieferungsgesuch an die Schweiz basiere auf einer Lüge, teilt der Regisseur auf einer Internetseite mit. Die USA würden ihn den Medien "zum Fraß vorwerfen" wollen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,692566,00.html
Ich bin so was von betroffen und empört.
der.letzte.dodo 03.05.2010
4. 42 Tage...
...im Knast für die Verführung Minderjähriger? Eventuell sogar für eine Vergewaltigung? Was für eine alberne Stellungnahme :-(
yato, 03.05.2010
5. vor 33 jahren... und das opfer hat ihm längst vergeben
und das opfer fühlt sich nun seinerseits durch das nochmalige aufwälzen dieser geschichte bedroht. übrigens hat polen und griechenland vor kurzem neue entschädigungen von deutschland verlangt, den zweiten weltkrieg betreffend... (auch polanski war damals übrigens opfer) ein urgrossvater von mir will die mongolei verklagen, wegen dschingis khan... einer auslieferung von polanski von europa an die usa würde ich nur in einem fall zustimmen. die usa soll im gegenzug george w. bush an den internationalen strafgerichtshof in den haag (europa) ausliefern. polanski hat eine einzige vergewaltigt und bush ist für tausende(tote)zivile opfer in irak verantwortlich, das ist ein bischen schlimmer oder? justizia warum sind deine augen verbunden?
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