Australien Gericht erkennt SMS als Testament an

Der letzte Wille per SMS? Kein Problem, hat ein australisches Gericht entschieden. Und das, obwohl die Textnachricht gar nicht abgeschickt wurde.

Handy (Symbolfoto)
DPA

Handy (Symbolfoto)


Ein Gericht in Australien hat die nicht gesendete Handy-Kurznachricht eines Verstorbenen an seinen Bruder als gültiges Testament anerkannt. In der SMS hatte der Mann kurz vor seinem Suizid seine Frau und den gemeinsamen Sohn enterbt und das Erbe dem Bruder hinterlassen. Allerdings hatte er die SMS an den Bruder nie abgeschickt, weswegen die Witwe gegen die Erbregelung klagte.

Richterin Susan Brown in Brisbane wies die Klage zurück. "Die informelle Natur des Textes ist kein Hindernis, ihn als ausreichenden Ausdruck der Testamentsabsicht des Verstorbenen anzuerkennen", heißt es in der Urteilsbegründung. Diese Absicht sei erkennbar, auch wenn die SMS nie abgeschickt wurde.

In dem Urteil berücksichtigte die Richterin auch den Umstand, dass der Verstorbene ein schlechtes Verhältnis zu seiner Ehefrau und fast keinen Kontakt zu seinem Sohn hatte.

In der nicht abgeschickten Nachricht an den Bruder, die nach dem Suizid des Mannes vor einem Jahr auf seinem Handy gefunden wurde, heißt es: "Du bekommst alles, was ich habe, mein Haus und meine Pensionsansprüche." Über seine Frau schrieb er: "Sie ist wieder zu ihrem Ex zurück. Ich bin fertig." Die Nachricht schließt mit den Worten "mein Testament" - gefolgt von einem Smiley.

wit/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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j.w.pepper 11.10.2017
1. In Deutschland undenkbar
Hier ist ein Testament nur wirksam, wenn es insgesamt handschriftlich abgefasst und unterschrieben ODER durch einen Notar beurkundet wurde. SMS, E-Mails usw. (egal ob abgeschickt oder nicht) sind völlig unbeachtlich. Gut so.
Bueckstueck 11.10.2017
2.
Zitat von j.w.pepperHier ist ein Testament nur wirksam, wenn es insgesamt handschriftlich abgefasst und unterschrieben ODER durch einen Notar beurkundet wurde. SMS, E-Mails usw. (egal ob abgeschickt oder nicht) sind völlig unbeachtlich. Gut so.
Schon seltsam, dass dort sowas geht. Wie soll denn glaubwürdig bewiesen werden, dass die betreffende Person das selbst verfasst hat? Mindestens eine Videoaufzeichnung müsste es schon sein wenns kurz vor dem abnippeln schnell gehen muss...
kloppskalli 11.10.2017
3. nicht seltsam
wenn der Mann nicht der Nachbar seines Bruders war, dann steht wohl ausser Zweifel, dass der Bruder es nicht geschrieben hat. Insofern alles OK.
touri 11.10.2017
4.
Ich denke auch, dass man an der Stelle im Einzelfall entscheiden muss. Wenn ein Manipulationsverdacht weitestgehend ausgeschlossen werden kann, dann sehe ich auch an einem "SMS-Testament" kein Problem. Es geht ja schließlich darum, den Willen des Verstorbenen zu respektieren.
cs01 11.10.2017
5.
Zitat von touriIch denke auch, dass man an der Stelle im Einzelfall entscheiden muss. Wenn ein Manipulationsverdacht weitestgehend ausgeschlossen werden kann, dann sehe ich auch an einem "SMS-Testament" kein Problem. Es geht ja schließlich darum, den Willen des Verstorbenen zu respektieren.
Ich sehe da erheblich Bedenken, woher weiß man, dass er wirklich die Absicht hatte, dass als Testament zu verfassen. Vielleicht war es ja nur ein Entwurf, den er noch bearbeiten wollte. Vielleicht wollte er sich es noch überlegen und hat es deshalb noch nicht abgeschickt?Wenn er es abgeschickt hätte, vielleicht, wenn klar ist, dass er es war und nicht ein Dritter mit seinem Handy. (Muss ja nicht unbedingt der Begünstigte sein) Da finde ich die Regelung in D besser.
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