Berichtsverbot im Missbrauchsprozess gegen Kardinal Pell Dutzende australische Journalisten ab November vor Gericht

Weil sie über den Missbrauchsprozess um Kardinal George Pell berichtet haben, müssen sich australische Journalisten vor Gericht verantworten. Ihnen drohen hohe Haft- und Geldstrafen.
Kardinal George Pell beim Verlassen des Gerichts in Melbourne im Juli 2017

Kardinal George Pell beim Verlassen des Gerichts in Melbourne im Juli 2017

Foto: Mark Dadswell/ REUTERS

Gerichtliches Nachspiel in Australien: Nach dem Freispruch des Kardinals George Pell vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs soll nun Journalisten und Medien wegen des Verstoßes gegen eine Nachrichtensperre der Prozess gemacht werden.

19 australische Journalisten und elf Publikationen sollen sich ab dem 9. November vor Gericht verantworten. Dies bestätigte der Richter John Dixon vom Obersten Gericht in Victoria. Allerdings sei es noch unklar, welche Anklagepunkte vorgebracht würden und ob es einen einzigen oder mehrere Prozesse geben werde.  

Der Mann, dessen Name nicht genannt werden durfte

Der ehemalige Vatikan-Finanzchef und frühere Erzbischof von Melbourne Pell war wegen sexueller Übergriffe auf zwei Chorknaben angeklagt worden. Über Monate verbot die australische Justiz den Medien, über den Fall zu berichten. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Geschworenen unvoreingenommen mit Blick auf ein zweites, damals noch anhängiges Verfahren blieben. Selbst Berichte über das Verbot waren nicht gestattet.

Nachdem Pell Ende 2018 schuldig gesprochen worden war, bröckelte die Nachrichtensperre. Auch mehrere australische Medien versuchten, sie zu umgehen, indem sie von der Verurteilung eines hochrangigen Australiers berichteten, ohne den Namen des Kardinals zu nennen. Erst mit der Bekanntgabe des Strafmaßes - sechs Jahre Haft - im März 2019 wurde das Berichterstattungsverbot aufgehoben. Pell wurde im April dieses Jahres in einem Berufungsverfahren vom höchsten australischen Gericht freigesprochen und nach mehr als 400 Tagen aus dem Gefängnis entlassen.

Mehrjährige Freiheitsstrafen und hohe Bußgelder

Bei einer Anhörung auf der Video-Plattform Zoom sprach sich der Rechtsanwalt Matt Collins für getrennte Verfahren aus. "Wie es aussieht, gibt es gegenwärtig 13 verschiedene Fälle, und es wäre nicht gerecht, wenn Journalisten von konkurrierenden Medien zugleich vor Gericht stünden", sagte Collins. Er fügte hinzu, dass die Androhung eines Prozesses schon viel zu lange über den Betroffenen schwebe. Collins vertritt derzeit alle angeklagten elf Medien und 19 Journalisten.

Verstöße gegen Berichtsverbote können in Australien mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren sowie Bußgeldern bis 100.000 australischen Dollar, rund 60.412 Euro, geahndet werden. Die nächste Anhörung ist für Juli angesetzt.

ala/dpa/Reuters