Australien Polizei verhindert Terroranschlag

Mit ihrem bislang größten Anti-Terror-Einsatz hat die australische Polizei laut eigenen Angaben einen Anschlag von Islamisten verhindert. Sie stellte größere Mengen an Waffen und Chemikalien sicher. 15 Verdächtige wurden festgenommen.

Sydney - Die mutmaßlichen Terroristen seien gestern bei Razzien in Sydney und Melbourne festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher des Staates New South Wales dem Rundfunksender ABC. Insgesamt waren mehr als 500 Polizisten im Einsatz. Über das mutmaßliche Ziel und den Zeitpunkt des geplanten Anschlags wollten die Ermittler keine Angaben machen.

Bei den Razzien seien Waffen und Chemikalien sichergestellt worden, mit denen offenbar Bomben gebaut werden sollten, hieß es in einer Erklärung der Polizei. Auch Computer und Rucksäcke wurden beschlagnahmt. Acht der Männer wurden in Sydney und die übrigen neun in Melbourne festgenommen. Unter den Festgenommenen ist nach Angaben eines Anwalts ein radikaler muslimischer Geistlicher mit dem Namen Abu Bakr.

Dem Einsatz gingen laut Polizei 16-monatige Ermittlungen voraus. Die Polizeichefin des Staates Victoria, Christine Nixon, sagte, es habe sich um den größten Anti-Terror-Einsatz in der Geschichte Australiens gehandelt. Ihr Kollege aus New South Wales sagte, der Polizei sei es gelungen, Vorbereitungen zur "letzten Phase eines groß angelegten Terrorangriffs" zu stoppen.

In Sydney schoss die Polizei auf einen der Verdächtigen und verletzte ihn im Nacken. Justizminister Chris Ellison sagte, der Mann befinde sich nach einer Operation in kritischem Zustand. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Verdächtige das Feuer eröffnet. Ein Polizist habe einen leichten Streifschuss erlitten. Im Rucksack des Verdächtigen sei eine Handfeuerwaffe gefunden worden.

Staatsanwalt Richard Maidment sagte, die neun in Melbourne festgenommenen Verdächtigen hätten eine Terrorgruppe gebildet und "unschuldige Männer und Frauen in Australien" töten wollen. Abu Bakr sei der Kopf der Gruppe gewesen. Die sichergestellten Chemikalien ähnelten denjenigen, die bei den Terroranschlägen in London im Juli eingesetzt wurden.

Ministerpräsident John Howard dankte auf einer Pressekonferenz den Sicherheitskräften. "Dieses Land war noch nie immun gegen einen möglichen Terroranschlag", sagte er. Howard hatte in den vergangenen Wochen vor möglicherweise drohenden Anschlägen in Australien gewarnt. Das Parlament hatte kurz darauf ein Anti-Terrorgesetz im Eilverfahren verabschiedet, das der Polizei die Verfolgung von Terrorverdächtigen erleichtert.

Der Kontinent war bislang noch nicht Ziel eines größeren Terrorangriffs. Allerdings wurden australische Staatsbürger schon mehrfach Opfer von Anschlägen, vor allem im benachbarten Indonesien, wo seit 2002 Dutzende Australier bei Bombenexplosionen getötet wurden.

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