Missbrauch Australischer Priester zu langer Haft verurteilt

Ein katholischer Priester hat jahrzehntelang in Australien unentdeckt Kinder missbraucht. Nach einem ersten Urteil kamen immer neue Taten ans Licht. Nun wurde der 83-Jährige zu weiteren elf Jahren Gefängnis verurteilt.


Bereits 1993 wurde der katholische Priester Gerald R. wegen sexuellen Missbrauchs zu 23 Jahren Haft verurteilt. Nun stand der mittlerweile 83 Jahre alte Mann erneut vor Gericht. Laut britischem "Guardian" hat er sich in 23 Anklagepunkte schuldig bekannt und wurde zu einer zusätzlichen Haftstrafe von elf Jahren verurteilt.

Demnach sitzt R. bereits seit 1994 in Haft. Damals wurde er für den Missbrauch an neun Jungen verurteilt. Im Laufe der Jahre meldeten sich Dutzende weiterer Opfer bei der Polizei. Bis 2006 wurden dem ehemaligen Priester in vier verschiedenen Prozessen 54 weitere Missbrauchsfälle nachgewiesen.

Im fünften Prozess seit seinem Haftantritt bekannte sich R. erneut schuldig. Laut "Guardian" konnte dem Priester der Missbrauch von insgesamt 65 Opfern während seiner Amtszeit zwischen 1961 und 1988 nachgewiesen werden.

Demnach konnte R. die Kinder über Jahrzehnte unentdeckt missbrauchen, weil er von der katholischen Kirche in Australien trotz Wissens um die Verbrechen immer wieder in neue Gemeinden versetzt wurde. Nach seiner Verurteilung enthob ihn die katholische Kirche 1993 des Amtes.

Der Fall steht im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen den Papstvertrauten und beurlaubten Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell. Er muss sich ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs von mehreren Jungen vor einem australischen Gericht verantworten.

Medienberichten zufolge soll Pell in seiner Funktion als ranghöchster Kardinal Australiens bei der Versetzung seines früheren Mitbewohners R. in neue Gemeinden geholfen haben. Ein Neffe von R., der ebenfalls von dem Priester im Alter von elf Jahren missbraucht worden sein soll, vertraute sich 1993 Pell an. Dieser soll ihm Berichten zufolge Schweigegeld geboten haben.

asc/dpa



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