Zeuge Jehovas Gericht billigt Zwangs-Bluttransfusion für krebskranken Jugendlichen

Ein minderjähriger Zeuge Jehovas darf gegen seinen Willen Bluttransfusionen erhalten - das hat ein Gericht in Australien entschieden. Der krebskranke Jugendliche hatte dagegen geklagt. In wenigen Monaten darf er aber selbst entscheiden, dann ist er 18 Jahre alt.


Sydney - In Australien hat ein krebskranker 17-Jähriger dagegen geklagt, dass ihm lebensrettende Bluttransfusionen verabreicht werden - und nun vor Gericht eine Niederlage erlitten. Der Jugendliche ist Zeuge Jehovas, seiner Ansicht nach würde eine Transfusion sein Verhältnis zu Gott stören. Ein Gericht entschied nun: Die Mediziner dürfen ihn auch gegen seinen Willen behandeln - allerdings nur bis zu seinem 18. Geburtstag.

Der Staat sei bestrebt, den Jungen am Leben zu erhalten, bis dieser selbst entscheiden könne, welche medizinischen Eingriffe er über sich ergehen lassen wolle, hieß es im Urteil.

Damit bestätigte das Gericht die Entscheidung einer Vorinstanz vom März dieses Jahres. In dem damaligen Beschluss hieß es, die Bewahrung des Lebens wiege schwerer als der Respekt vor der Würde des Individuums und seines Glaubens. Es gebe keine rechtliche Grundlage, diese Entscheidung zu revidieren, befanden auch nun die Richter.

Die Tumore des Jugendlichen hatten sich trotz mehrerer Chemotherapie-Runden nur geringfügig verkleinert. Daraufhin hatten die Ärzte empfohlen, die Dosen der eingesetzten Medikamente zu erhöhen. Dies führt aber zu Anämie, also einer Verringerung der Hämoglobin-Konzentration im Blut. Um die Behandlung fortsetzen zu können, wurde im Februar eine Bluttransfusion notwendig.

Immer wieder kommt es zu Todesfällen, weil Zeugen Jehovas keine Bluttransfusionen annehmen. 2008 hatte in Gießen eine schwangere Frau die lebensrettende Blutspende abgelehnt und war kurz darauf gestorben. 2010 kam einem Bericht des "Telegraph" zufolge ein 15-jähriger Zeuge Jehovas ums Leben, weil er sich nach einem Autounfall weigerte, eine Bluttransfusion anzunehmen.

vks/AFP

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