Ausufernde Gewalt Brasiliens Präsident Lula bewilligt Militäreinsatz in Rio

Mindestens 24 Tote binnen einer Woche: Die Gewaltwelle in Rio de Janeiro gerät außer Kontrolle und soll nun mit Hilfe des Militärs eingedämmt werden. Auch in Mexiko weiß man sich nicht mehr ohne Soldaten gegen Drogenbanden zu helfen.


Rio de Janeiro - Neben den Streitkräften soll auch eine Antidrogen-Eliteeinheit eingesetzt werden, teilte die Regierung in Brasilia mit. Zeitpläne für den Einsatz wurden vorerst nicht bekannt. Eine Attentatswelle der Drogenmafia hatte in Rio seit dem 28. Dezember 24 Menschenleben gekostet.

Ausufernde Gewalt: Bewaffnete Banden hatten Ende Dezember Busse in Rio in Brand gesteckt
AFP

Ausufernde Gewalt: Bewaffnete Banden hatten Ende Dezember Busse in Rio in Brand gesteckt

Staatspräsident Lula bezeichnete die Angriffe als "Terrorismus". Gestern war ein Kleinbus mit Touristen aus Deutschland, Österreich und Kroatien überfallen worden. Die sechs Reisenden waren am frühen Morgen auf dem Flughafen Tom Jobim gelandet und in ihre Hotels unterwegs, als ihr Bus auf einer Schnellstraße von einem Auto zum Halten gezwungen wurde. Die Verbrecher erbeuteten Juwelen, Bargeld, Kreditkarten und Fotoapparate. "Die Ausländer waren alle sehr nervös, aber niemand wurde verletzt", sagte ein Polizeisprecher.

Wenige Stunden vor dem Überfall hatte der Gouverneur des Bundesstaates Rio, Sergio Cabral, den Einsatz der Militärs als "sehr, sehr dringend" bezeichnet und einen entsprechenden Antrag bei der Zentralregierung angekündigt. Die Angehörigen von Luftwaffe, Heer und Marine sollen nach den Vorstellungen Cabrals künftig unter anderem Patrouillenaufgaben in der Stadt Rio übernehmen. Die Eliteeinheit "Kraft für die Nationale Sicherheit" (FSN) solle derweil zunächst in den Grenzgebieten des Bundeslandes eingesetzt werden.

Die FSN-Einheit wurde 2004 von Lula ins Leben gerufen. Ihr gehören 7.700 Elitebeamte an, die vor allem zur Bekämpfung des Drogenhandels trainiert werden. Diese Männer und Frauen wurden bislang nur in zwei Bundesstaaten eingesetzt.

Auch in Mexiko hat die Regierung einen Militäreinsatz zur Bekämpfung der Kriminalität im Land befohlen. den Drogenschmuggel in der Region um die Grenzstadt Tijuana besser bekämpfen zu können. Präsident Felipe Calderon sandte 3.300 Soldaten und Bundespolizisten in die Grenzstadt Tijuana, eine Hochburg des Drogenschmuggels. Die erste Aufgabe der Soldaten bestand offenbar darin, einen Großteil der rund 2.000 Polizisten der Region zu entwaffnen.

"Das ist eine unglückliche Situation, weil die Polizisten nun schutzlos sind und ihrer Aufgabe nicht nachkommen können", sagte Luis Javier Algorri, der Sicherheitschef der Stadt. "Die Polizisten patrouillieren nicht mehr in der Stadt, das ist einfach zu gefährlich", sagte ein Sprecher. Hintergrund der Entwaffnungsaktion sind Ermittlungen gegen ein korruptes Netzwerk von Polizisten, die den Drogenhandel unterstützen sollen. Im letzten Jahr sind in Tijuana 13 Polizisten im Dienst getötet worden.

Die "Operation Tijuana" ist bereits die zweite Militäraktion von Präsident Calderon gegen den Drogenschmuggel. Im vergangenen Monat hatte er 7.000 Soldaten in seine Heimatregion im Westen des Landes geschickt, weil sich dort seit geraumer Zeit rivalisierende Banden blutige Kämpfe um Marihuana-Plantagen und Schmuggelrouten liefern. Drogenbanden in Mexiko werden für rund 2.000 Morde allein im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht.

jto/dpa/AP



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