Kriminalität Wo Autodiebe am häufigsten zuschlagen

Sie klauen Navigationsgeräte, Felgen und ganze Autos. Hier zeigen wir, wo die Kriminellen besonders oft zuschlagen.

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Autodieb (Symbolbild)
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Autodieb (Symbolbild)

Sie kommen nachts, brechen Autotüren auf und reißen Navigationsgeräte aus dem Armaturenbrett. Manchmal nehmen sie Airbags und Lenkräder mit. Seit Jahren haben sich Kriminelle auf diese Art des Diebstahls aus Autos spezialisiert, betroffen sind vor allem Fahrzeuge der Hersteller BMW, VW, Audi und Mercedes. Nach Erkenntnissen von Ermittlern stammt ein Großteil der Navi-Diebe aus Litauen und gehört der organisierten Kriminalität an.

Wenn Diebe gefasst würden, behandele sie die deutsche Justiz trotzdem leider viel zu häufig "wie dumme Jungs", sagt der Kölner Bezirksvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Rüdiger Thust. Ein ähnliches Problem haben die Strafverfolger bei anderen Massendelikten wie Ladendiebstählen und Einbrüchen.

Der Erste Kriminalhauptkommissar Thust leitet in Köln eine Dienststelle, die sich schwerpunktmäßig mit dem Diebstahl fest eingebauter Navigationssysteme befasst. Seinen Schätzungen zufolge entsteht alleine durch diese Form des Diebstahls jährlich bis zu 250 Millionen Euro Schaden.

Wie oft und wo schlagen die Autodiebe zu? SPIEGEL ONLINE hat die Polizeiliche Kriminalstatistik ausgewertet.

Insgesamt stahlen Kriminelle 2015 rund 333.000-mal Gegenstände aus Autos oder entfernten Teile von Autos. Am häufigsten betroffen waren Dortmund (1271 Fälle je 100.000 Einwohner), Bremen (1257), Köln (1161), Leipzig (1099) und Berlin (1012). Die in dieser Hinsicht 30 sichersten Kreise Deutschlands lagen allesamt in Bayern.

Die starken regionalen Unterschiede von Diebstählen an und aus Autos überraschen den erfahrenen Kriminalisten Thust nicht. "Die Täter stellen eine knallharte Kosten-Nutzen-Analyse an, das wissen wir aus abgehörten Telefonaten", sagt er. In Bayern werde intensiver ermittelt, die Polizei verfüge über mehr Personal und technische Mittel. "Auch die Justiz zieht dort mit", sagt Thust. Die Folge: Die Banden weichen dorthin aus, wo das Entdeckungsrisiko geringer ist.

"Die deutsche Polizei erstellt immer noch kein bundesweites Lagebild dazu und setzt sich nicht intensiv genug mit dem Thema auseinander", kritisiert Thust. Auch die Industrie müsse handeln und verstärkt in Sicherungssysteme investieren, so der Beamte.

Diebstahl aus/an Kraftfahrzeugen

Die Zahl der Diebstähle von Autos nimmt - nach dem sprunghaften Anstieg Anfang der Neunziger nach Zusammenbruch des Ostblocks - seit Jahren tendenziell ab. Im vergangenen Jahr registrierte die deutsche Polizei 36.500 Autodiebstähle. Nach Erkenntnissen von Ermittlern wird etwa die Hälfte der gestohlenen Wagen wiedergefunden, die andere Hälfte verschwindet dauerhaft.

Am häufigsten betroffen waren 2015 Städte und Regionen im Osten Deutschlands: Frankfurt (Oder) (224 je 100.000 Einwohner), Landkreis Görlitz (211), Kreis Dahme-Spreewald (202) und Berlin (193). Die sicherste Gegend liegt in Hessen: Im Odenwaldkreis wurden nur zwei Fälle gemeldet, das ergibt eine Häufigkeitszahl von zwei auf 100.000 Einwohner. Auf den weiteren Plätzen finden sich viele Kreise aus Bayern, etwa Donau-Ries, Würzburg, Bad Kissingen und Regen.

Mehr als zwei Drittel der hierzulande gestohlenen Fahrzeuge sind Typen der großen deutschen Hersteller. Nach Erkenntnissen der Polizei stammen etwa zwei Drittel der verdächtigen Autodiebe aus Deutschland, ein Drittel kommt aus dem Ausland. Die meisten Täter kooperieren demnach mit der organisierten Kriminalität, vor allem aus dem russisch-eurasischen Raum. Dorthin wird wohl auch ein Großteil der Beute gebracht.

Diebstahl von Kraftwagen

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