Autopsie im Fall Ezell Ford Unbewaffneter starb durch Polizeikugel in den Rücken

In Los Angeles erschoss ein weißer Polizist den unbewaffneten Schwarzen Ezell Ford - jetzt ist der Autopsiebericht in dem Fall freigegeben worden. Ergebnis: Eine tödliche Kugel traf den 25-Jährigen aus nächster Nähe in den Rücken.

Provisorische Gedenkstätte für Ezell Ford (in Los Angeles): "In liebender Erinnerung"
REUTERS

Provisorische Gedenkstätte für Ezell Ford (in Los Angeles): "In liebender Erinnerung"


Los Angeles/Hamburg - Die Polizei von Los Angeles hat den lange erwarteten Autopsiebericht im Fall des jungen Schwarzen Ezell Ford veröffentlicht. Der 25-Jährige war im August von einem weißen Polizisten erschossen worden. Laut dem Report, den die "Los Angeles Times" auf ihrer Webseite bereitstellte, wurde Ford dreimal getroffen - in den Arm, den Rücken und den Unterleib.

Tödlich seien die Schüsse in Rücken und Unterleib gewesen, heißt es in dem Bericht. Auf der rechten Seite des Rückens sei zudem der Abdruck der Pistolenmündung zu erkennen gewesen, was darauf hindeutet, dass dieser Schuss aus unmittelbarer Nähe abgefeuert wurde.

Ford war zum Zeitpunkt seines Todes unbewaffnet. Laut Angehörigen litt er an einer psychischen Erkrankung.

Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, hatte nach monatelangen Protesten die Veröffentlichung des Berichts bis Ende des Jahres versprochen. Charlie Beck, der Polizeichef von Los Angeles, sagte, die Untersuchung des Falls sei noch lange nicht abgeschlossen. In dem Autopsiebericht stehe allerdings nichts, was den Aussagen der beteiligten Polizisten über den Vorfall widerspreche.

Laut Polizei war Ford am 11. August im Süden von Los Angeles von Polizisten auf der Straße angehalten worden, weil er sich "verdächtig" verhielt. Bei einem anschließenden Handgemenge wurde Ford erschossen. Zuvor soll er versucht haben, nach der Pistole eines Polizisten zu greifen. Angehörige, Augenzeugen und Fords Anwälte bestritten hingegen, dass sich Ford aggressiv verhalten habe.

Der Vorfall ereignete sich zwei Tage, nachdem in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri der schwarze Jugendliche Michael Brown auf der Straße von einem weißen Polizisten erschossen worden war. Der Fall führte zu monatelangen, zum Teil gewalttätigen Protesten und löste in den USA eine heftige Debatte über Rassismus und Übergriffe weißer Polizisten auf Schwarze aus. Die Proteste wurden in den folgenden Monaten durch eine Reihe ähnlicher Vorfälleweiter angeheizt.

rls/AFP/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
secretsurf 30.12.2014
1. das heisst nicht....
aus unmittelbarer Nähe sondern ein aufgesetzter Schuss, wenn die Pistolenmündung auf der Haut erkennbar ist. FAKT - das ist Mord. Hoffentlich wird endlich mal einer dieser Polizisten zur Rechenschaft gezogen. Ansonsten hat die USA irgendwann ein Unruhenproblem was eventuell nicht mehr in den Griff zu bekommen ist.
Ausfriedenau 30.12.2014
2. Frage:
Wann ist ein Staat ein Unrechtsstaat? Gibt es dafür eine Definition, die nicht allein auf DDR-Verhältnisse zurechtgebogen ist?
regula2 30.12.2014
3. subjektiv
Objektiv mag es sich um ein Tötungsdelikt handeln, aber in Anbetracht des immensen Waffenbesitzes in Privathand in den USA und der hohen Kriminalitätsrate bei Farbigen muss man dem Beamten sich eine subjektive Notwehrsituation zugestehen. Der Beamte ist letztendlich der Sack, der die Schläge einstecken muss, die den verantwortlichen Politiker-Eseln gebühren.
pierrotlalune 30.12.2014
4.
Ob da bei dem Begräbnis, die Polizei sich so zeigen wird, wie bei den erschonenen Polizisten? nämlich betroffen. Wohl kaum, die Bilder zeigen genauso wie hier, wie Machtvoll die Polizei auftritt und Gesetze und Regeln auslassen.
milhouse_van_h. 30.12.2014
5.
ein tödlicher, aufgesetzter Schuss in den Rücken! Die Polizei wird sicher trotzdem irgendwie die Notwehr-Situation plausibel erläutern und das Handeln der Polizisten als völlig richtig darstellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.