Axt-Mord in Lübeck Schwere Vorwürfe gegen Behörden

Nach einem tödlichen Axt-Angriff in Lübeck hat die Staatsanwaltschaft heute einen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erwirkt. Der Bruder des Opfers gibt den Behörden indes die Mitschuld. Die Tat hätte verhindert werden können, sagt er.

Lübeck – Die Beweislage ist erdrückend. Zahlreiche Passanten waren Augenzeugen, als der Mann mit der Axt auf seine Ex-Frau losging. Er wurde kurz nach der Attacke von einer zufällig vorbeikommenden Polizistin überwältigt und festgenommen.

Dass der 37-Jährige auf seine Ex-Frau losging, kommt für den Bruder des Opfers allerdings keineswegs überraschend. Die Behörden hätten es zugelassen, dass der Täter seine Ex-Frau monatelang terrorisiert habe, sagte er den "Lübecker Nachrichten": "Seit Monaten hat meine Schwester in Angst vor ihrem Ex-Mann gelebt", und: "Wir haben uns auf die Gerichte verlassen, dass sie meine Schwester vor ihm schützen würden und ihn wegsperren."

Tatsächlich war der Täter dem Bericht zufolge laut Akten der Staatsanwaltschaft zuletzt 2006 wegen Bedrohung und Körperverletzung gegen seine Frau in Erscheinung getreten. Ein Polizeisprecher habe jedoch auch "etliche Einsätze" im Jahr 2007 bestätigt: "Da war von Bedrohung über Nötigung bis zur Körperverletzung alles dabei."

Die 36-Jährige war im Stadtteil Sankt Gertrud mit dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen, als der Mann ihr auflauerte, sie mit dem Fahrrad verfolgte und angriff. Die Frau erlag wenig später ihren Verletzungen. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Es soll öfter Streit zwischen dem Mann und seiner Ex-Frau gegeben haben.

mik/ddp