Babyleichen in Oberfranken Mutter schweigt in Mordprozess

Bauarbeiter entdeckten im Herbst 2013 zwei verweste Babyleichen in Oberfranken. Die Säuglinge sind vor gut 25 Jahren gestorben. Ihre Mutter muss sich nun wegen Doppelmordes vor Gericht verantworten.
Angeklagte mit ihrem Anwalt: Prozessbeginn vor dem Landgericht Hof

Angeklagte mit ihrem Anwalt: Prozessbeginn vor dem Landgericht Hof

Foto: David Ebener/ dpa

Hof - Rund 25 Jahre nach dem gewaltsamen Tod zweier Säuglinge im oberfränkischen Bad Alexandersbad hat der Prozess gegen die Mutter begonnen. Die 53-Jährige äußerte sich zum Auftakt des Verfahrens vor dem Landgericht Hof nicht zu den Vorwürfen. Sie ist wegen zweifachen Mordes angeklagt.

Die Frau soll das Mädchen und den Jungen in der eigenen Wohnung auf der Toilette zur Welt gebracht und danach unversorgt im WC-Becken zurückgelassen haben. Als die Neugeborenen keine Regung mehr zeigten, habe die Frau sie zuerst in Plastiktüten gewickelt, dann in einen Schrank gelegt und später im Garten vergraben, sagte der Oberstaatsanwalt.

Die stark verwesten Babyleichen waren im Herbst 2013 in dem 1000-Einwohner-Ort im Landkreis Wunsiedel bei Bauarbeiten entdeckt worden. Wann genau das Mädchen und der Junge, die keine Zwillinge sind, auf die Welt kamen, ist laut Staatsanwaltschaft nicht mehr feststellbar - irgendwann zwischen 1985 und 1988.

Die Staatsanwaltschaft geht von niedrigen Beweggründen als Motiv aus: Die Frau, von Beruf Hauswirtschafterin, sei bereits Mutter von vier Kindern gewesen. Sie habe Angst vor dem Gerede der Leute gehabt und die finanzielle Mehrbelastung durch zwei weitere Kinder nicht hinnehmen wollen. Die 53-Jährige sitzt seit 21. November 2013 in Untersuchungshaft.

Als erster Zeuge berichtete ein Sachverständiger über die "schwierige Kindheit" der Angeklagten. Die 53-Jährige brach dabei in Tränen aus. Ihren leiblichen Vater lernte die Frau demnach nie kennen, ihr Stiefvater trank oft. Auch zu Gewalttätigkeiten gegen sie und ihre Mutter soll es gekommen sein. Das Eheleben der Frau schilderte der Experte dagegen als normal. Die 53-Jährige und ihr Mann seien beide berufstätig gewesen. Der Familie sei es finanziell gut gegangen.

wit/dpa
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