Babyleichen in Kühlboxen Mutter bestreitet Tötung ihrer Kinder

Die drei in Camping-Kühlboxen gefundenen Babyleichen geben den Ermittlern in Hessen weiter Rätsel auf. Die Mutter bestreitet, ihre Kinder getötet zu haben. Noch ist unklar, wie sie starben - und warum ihr Tod so lange unbemerkt blieb.

Haus im mittelhessischen Langgöns: Drei Babyleichen in Kühlboxen entdeckt
REUTERS

Haus im mittelhessischen Langgöns: Drei Babyleichen in Kühlboxen entdeckt


Gießen - Die Obduktion der im mittelhessischen Langgöns aufgefundenen Babyleichen hat noch keine Erkenntnisse über die Todesumstände der drei Kinder gebracht. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittle in alle Richtungen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Bislang sei nach wie vor unklar, ob die Babys vorsätzlich getötet wurden. Die Mutter habe ausgesagt, es habe sich um Totgeburten gehandelt.

Ob die Aussage der 40-Jährigen der Wahrheit entspreche, werde noch geprüft. Bis dahin bleibe es dabei, dass gegen die Frau wegen des Anfangsverdachts eines dreifachen, vorsätzlichen Tötungsdelikts ermittelt werde. Ein Haftbefehl gegen die Frau stehe nicht zur Debatte, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, bislang sei ihr keine Straftat nachzuweisen.

Am Vortag war bekanntgeworden, dass die Mutter derzeit eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Betrugs absitzt. Nach Auffinden der Babyleichen in ihrem Wohnhaus wurde sie demnach vom offenen wieder in den geschlossenen Vollzug der Haftanstalt verlegt.

Die Babys waren bei Auflösung der Wohnung der Frau in Camping-Kühlboxen entdeckt worden. Zwei der Säuglinge waren Jungen. Das Geschlecht des dritten Kindes sei noch nicht geklärt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft zu den ersten Ergebnissen der Obduktion. Die Babys sollen schon längere Zeit tot gewesen sein, als sie gefunden wurden. Aufgrund des Zustands der Leichen sind die rechtsmedizinischen Untersuchungen schwierig. Die Ermittlungsbehörde schloss aber aus, dass es sich bei den toten Säuglingen um Drillinge handelt. Die Polizei befragte am Donnerstag zudem weitere Zeugen und wertete Spuren am möglichen Tatort aus.

Langgöns' Bürgermeister Horst Röhrig zeigte sich bestürzt. Die Menschen in der Region seien schockiert. "Sonst hört man davon nur in den Nachrichten, plötzlich ist es vor der Haustür."

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die Frau auch lebende Kinder hat, wollte aber keine weiteren Angaben zu der Verdächtigen machen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd handelt es sich um vier Kinder, von denen eins erst kürzlich in der Justizvollzugsanstalt zur Welt gekommen sei und inzwischen in einer Pflegefamilie leben soll.

wit/dpa/dapd



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