Babyleichen in Kühltruhe Mutter muss fünf Jahre in Haft

Im Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod von drei Säuglingen im Sauerland ist jetzt das Urteil gefallen: Die angeklagte Mutter muss wegen Totschlags für fünf Jahre ins Gefängnis.

Die Angeklagte mit ihrer Anwältin (links) vor dem Schwurgericht Münster
dapd

Die Angeklagte mit ihrer Anwältin (links) vor dem Schwurgericht Münster


Münster - Das Schwurgericht Münster verurteilte die 46-jährige Mutter am Montag wegen zweifachen Totschlags. In dem dritten Todesfall ist die Tat verjährt, weil sie mehr als 20 Jahre zurückliegt. Der Staatsanwalt hatte für die Angeklagte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren gefordert, die Verteidigung auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Die Frau nahm das Urteil ohne eine erkennbare Regung zur Kenntnis.

Das Gericht stützte sich bei seiner Entscheidung auf das Gutachten einer psychiatrischen Sachverständigen, die ausgeführt hatte, dass die Schuldfähigkeit der Frau zum Zeitpunkt der Taten nicht erheblich vermindert war. Die Mutter hatte 1986, 1988 und 2004 im Bad ihres Hauses in Wenden-Möllmicke (Kreis Olpe) drei Mädchen zur Welt gebracht und sie kurz nach der Geburt erstickt. Anschließend steckte die 46-Jährige die Leichen in eine Tiefkühltruhe, wo sie jahrelang lagerten.

Der damals 18-jährige Sohn der Mutter entdeckte die Leichen, als er in der Tiefkühltruhe nach einer Pizza suchte. Den Obduktionsberichten zufolge waren alle drei Babys lebensfähig. Strafmildernd werteten die Richter, dass die Angeklagte die Tatvorwürfe gestanden hat. Sie hatte ausgesagt, dass sie in panischer Angst vor gynäkologischen Untersuchungen die Schwangerschaften verdrängt habe. Zugleich beteuerte die Mutter dreier weiterer Kinder, sie habe alle ihre Kinder geliebt und niemals deren Tod gewollt.

In einem ersten Prozess hatte das Landgericht Siegen die Mutter Anfang Dezember 2008 zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt - wegen Totschlags durch Unterlassen in beiden Fällen. Auf Revision der Staatsanwaltschaft hob der Bundesgerichtshof (BGH) dieses Urteil vor einem Jahr mit der Begründung auf, in einem der Fälle komme eine Verurteilung wegen aktiven Totschlags statt wegen Totschlags durch Unterlassen in Betracht. Zugleich verwies der BGH den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht Münster, das die Strafe nun verschärfte.

ala/dapd/AFP



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