Babyleichen in Tiefkühltruhe Erste Obduktionsergebnisse - ein Säugling war lebensfähig

Erschütterndes Ermittlungsergebnis: Eines der drei neugeborenen Mädchen, die tot in einer Tiefkühltruhe im Sauerland lagen, war lebend geboren worden. Das ergab eine erste Obduktion. Die Todesursache des Mädchens gibt den Medizinern jedoch weiter Rätsel auf.


Olpe - Ist der Frau aus dem Sauerland, die gestanden hat, drei tote Babys in der Tiefkühltruhe gelagert zu haben, Totschlag vorzuwerfen?

Eine Totgeburt können die Ermittler nach einer ersten Obduktion zumindest bei einem der drei Mädchen ausschließen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Nach Ansicht der Mediziner war das Baby bei seiner Geburt lebensfähig.

Bereits vor den Untersuchungen hatte die die Staatsanwaltschaft erklärt, es gebe "Anhaltspunkte", dass die Kinder lebend geboren wurden. Deshalb sei Haftbefehl wegen Totschlages gegen die Frau erlassen worden.

Bei der Obduktion wurden weder Anzeichen äußerer Gewalt noch Missbildungen gefunden, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag erklärten. Genauere Untersuchungen zur Todesursache des Mädchens stehen allerdings noch aus. Dabei sollen das Feingewebe der Kinderleichen untersucht und Tests auf mögliche Gifte gemacht werden. Die zwei anderen Kinderleichen sollen am Mittwoch obduziert werden.

Entdeckt wurde das kaum vorstellbare Geschehen am Samstag durch Zufall. Bei der Suche nach einer Tiefkühlpizza fand der 18 Jahre alte Sohn der 44-Jährigen auf dem Boden der elterlichen Kühltruhe drei Pakete. Als er eins davon öffnete, stieß er auf den Arm und den Kopf einer seiner Schwestern. Einen Tag später meldete sich die Familie bei der Polizei.

Die Ermittler vermuten, dass die Neugeborenen seit Ende der achtziger Jahre in ihrem eisigen Versteck gelegen haben könnten. Eine Lokalzeitung, in die einer der Leichname eingewickelt war, lässt darauf schließen, dass das Mädchen im Dezember 1988 zur Welt kam und in der Kühltruhe versteckt wurde.

Die Mutter, die in einem Teilgeständnis eingeräumt hatte, die Kinder vor vielen Jahren in der Truhe "abgelegt" zu haben, befindet sich weiter in einem Justizkrankenhaus. Sie ist derzeit vernehmungsunfähig. Die Ärzte entscheiden, wann sie von der Mordkommission befragt werden könne, erklärte die Staatsanwaltschaft.

amz/dpa/AP



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