Fahrdienstleiter von Bad Aibling "Kacke ist jetzt richtig am Dampfen"

Der wegen des Zugunglücks von Bad Aibling angeklagte Fahrdienstleiter hat das Ausmaß seines Fehlers bereits früh erkannt. Vor Gericht steht nun das Notrufsystem der Bahn in der Kritik.

Der angeklagte Fahrdienstleiter mit seiner Anwältin Ulrike Thole (Archiv)
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Der angeklagte Fahrdienstleiter mit seiner Anwältin Ulrike Thole (Archiv)


Der 40-jährige Fahrdienstleiter, der für das schwerste Zugunglück in Bayern seit 1975 verantwortlich sein soll, soll kurz nach sieben Uhr am Telefon gesagt haben: "Die Kacke ist jetzt richtig am Dampfen." Das sagte ein Kollege des Angeklagten im Prozess vor dem Landgericht Traunstein. Bei seinem Telefonat habe der Mann aufgeregt gewirkt.

Bei dem Zusammenstoß von zwei Zügen am Faschingsdienstag waren zwölf Menschen ums Leben gekommen und 89 teils lebensgefährlich verletzt worden. Der angeklagte Fahrdienstleiter muss sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Der Mann hatte zu Prozessbeginn gestanden, die Nahverkehrszüge durch ein Sondersignal gleichzeitig auf die eingleisige Strecke geschickt zu haben. Außerdem gab er zu, verbotenerweise im Dienst auf seinem Smartphone gespielt zu haben.

Zwei verschiedene Notruftasten nahe beieinander

Die Befragung des Kollegen zeigte nun, dass auch das Notrufsystem der Deutschen Bahn vom Personal kritisiert wird. Auf die Frage eines Anwalts, der Angehörige von Opfern als Nebenkläger vertritt, sagte der Bahnmitarbeiter: "Es sollte eine einfachere Lösung geben." Beim Bedienen der Tasten bestehe Verwechslungsgefahr.

Der Angeklagte soll beim Abschicken des Notrufes, nachdem er seinen Fehler bemerkt hatte, versehentlich die Fahrdienstleiter in der Umgebung informiert haben - und nicht die Lokführer der beiden betroffenen Züge. Es gibt dafür zwei verschiedene Tasten, die nahe beieinanderliegen.

Die insgesamt 29 Nebenkläger in dem Verfahren wollen auch die Rolle der Bahn untersuchen, die das Streckennetz betreibt - während die Bayerische Oberlandbahn (BOB) als privater Betreiber die Züge stellt. Einige Opfer werfen der Bahn eine Mitverantwortung vor. Angeklagt ist aber nur der Fahrdienstleiter.

Ein weiterer Bahnmitarbeiter, der am Unglückstag in der Notfallleitstelle in München Dienst hatte, sagte aus, dass auch bei ihm nur Minuten nach dem Zusammenstoß ein Anruf des Fahrdienstleiters eingegangen sei. Darin habe der 40-Jährige eingeräumt, dass er durch Setzen eines Sondersignals beide Züge gleichzeitig auf die Strecke geschickt habe.

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Zugunglück: Der Unfall bei Bad Aibling

Der direkte Vorgesetzte des Angeklagten berichtete, sein Mitarbeiter sei sehr zuverlässig, pflichtbewusst und pünktlich gewesen. Es habe bis zum Unfalltag kein einziges dienstliches Vergehen gegeben. Von der unerlaubten Nutzung des Handys des Angeklagten habe er nichts gewusst.

Er sagte aber aus, dass der Angeklagte am Unglückstag in seinen Unterlagen nicht vermerkt habe, dass er das Sondersignal gesetzt hatte. Dies sei jedoch Vorschrift. Als er kurz nach dem Unfall im Stellwerk von Bad Aibling eingetroffen sei, habe er nur gehofft, "dass das nicht passiert ist, was dann tatsächlich passiert ist", so der Zeuge. Die Deutsche Bahn stellte ihren Mitarbeitern für deren Zeugenaussagen Rechtsbeistände zur Verfügung. Ein Urteil wird am 5. Dezember erwartet. Die Höchststrafe für fahrlässige Tötung beträgt fünf Jahre.

apr/dpa

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