Zugunglück von Bad Aibling Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft für Fahrdienstleiter

Der diensthabende Fahrdienstleiter beim Zugunglück von Bad Aibling soll mehrere entscheidende Fehler gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine mehrjährige Haftstrafe für den Mann gefordert.

Fahrdienstleiter Michael P. mit seinem Anwalt Thilo Pfordte
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Fahrdienstleiter Michael P. mit seinem Anwalt Thilo Pfordte


Der angeklagte Fahrdienstleiter im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu vier Jahren Haft verurteilt werden. Nach Überzeugung der Anklagebehörde ist der Bahnmitarbeiter der fahrlässigen Tötung in vollem Umfang schuldig.

Oberstaatsanwalt Jürgen Branz hielt dem 40-Jährigen in seinem Plädoyer "kopfloses Verhalten" im Dienst am Unfalltag vor. Er listete eine ganze Kette entscheidender Fehlentscheidungen bei der Arbeit im Stellwerk auf.

Vor allem rügte er das verbotene Handyspielen des Angeklagten bis kurz vor dem Zusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar: "Letztlich liegt hier der Grund für die Fehlhandlungen des Angeklagten", sagte Branz vor dem Landgericht Traunstein. Ein technischer Fehler scheide hingegen als Ursache für das Unglück mit zwölf Toten aus.

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Zugunglück: Der Unfall bei Bad Aibling

Der Angeklagte Michael P. soll bis kurz vor dem tödlichen Zusammenstoß zweier Züge auf seinem Privathandy das Fantasy-Rollenspiel "Dungeon Hunter 5" gespielt haben. Das sagte am Donnerstag ein Sachverständiger vor Gericht aus. Die Spiele-Aktivitäten des Angeklagten ließen sich sekundengenau nachverfolgen. Erst eine Minute vor dem Zusammenstoß meldete er sich demnach per Fingerdruck als Spieler ab. Die Vorschriften der Deutschen Bahn verbieten die private Handynutzung im Dienst.

Der Bahnmitarbeiter hatte zu Prozessbeginn gestanden, mehrere Signale falsch gestellt und die Nahverkehrszüge durch ein Sondersignal gleichzeitig auf die eingleisige Strecke geschickt zu haben. Bei dem Unglück starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Das Urteil in dem Prozess soll am Montag verkündet werden. Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre.

mxw/dpa

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