Bad Reichenhall Fünf Anklagen nach Eishalleneinsturz

Mehr als ein Jahr nach dem Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall hat die Staatsanwaltschaft gegen fünf Männer Anklage erhoben. Ihnen wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Bei dem Unglück waren 15 Menschen getötet und sechs schwer verletzt worden.


Bad Reichenhall - "Hätten sie ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllt, hätte es weder Tote noch Verletzte gegeben", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer. Mehreren Gutachten zufolge haben schwere Mängel und Schlamperei bei Planung und Bau der Halle zum Einsturz des Daches geführt, das der hohen Schneelast am 2. Januar 2006 nicht standhielt.

Vier der jetzt angeklagten Männer zwischen 63 und 74 Jahren waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft in maßgeblicher Funktion am Bau der Halle in der Zeit vom April 1971 bis zum Oktober 1973 beteiligt. Bei dem fünften Angeklagten handelt es sich um einen 54 Jahre alten Bauingenieur, der im März 2003 der gesamten Halle - trotz auffälliger Wasserflecke in der Holz-Dachkonstruktion - einen guten Zustand bescheinigt hatte.

Bei seiner Studie zum Hallenzustand, die er für die Stadt erstellte, soll er die Dachkonstruktion nur unzureichend untersucht haben. Schon damals sollen Risse erkennbar gewesen sein.

Für die umfangreichen Ermittlungen wurden 159 Zeugen vernommen und acht Gutachten eingeholt. Dabei wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft festgestellt, dass zum Beispiel einer der Angeklagten - ein heute 66 Jahre alter Bauingenieur - bei der statischen Berechnung des Daches gravierende Fehler gemacht habe. Dabei sei die Tragfähigkeit der Deckenträger weit überbewertet worden.

Ein weiterer Angeklagter - ein heute 74 Jahre alter Zimmerermeister - war als Fertigungsleiter einer Baufirma für die Herstellung der Dachträger verantwortlich. Ihm werden Fehler bei der Errichtung der so genannten Hohlkastenträger vorgeworfen.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, wurden die Ermittlungsverfahren gegen vier weitere Beschuldigte eingestellt, weil sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben habe. Gegen vier andere Menschen wurden laut Staatsanwaltschaft zwar Strafanzeigen erstattet. Nach umfangreicher Prüfung sei aber mangels Hinweisen auf strafbare Versäumnisse kein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dies gelte auch für den früheren, parteilosen Reichenhaller Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier sowie für den am Einsturztag verantwortlichen Betriebsleiter der Halle.

jto/dpa



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