Attacke in Frankfurt Verdächtiger galt in der Schweiz als gut integriert

Der Mordverdächtige vom Frankfurter Bahnhof tauchte in einer Schweizer Broschüre als Beispiel für gelungene Integration auf. Er arbeitete nach SPIEGEL-Informationen für die Verkehrsbetriebe Zürich, die die Straßenbahn betreiben.
Polizisten am Frankfurter Hauptbahnhof

Polizisten am Frankfurter Hauptbahnhof

Foto: ARMANDO BABANI/ EPA-EFE/ REX

Der Mordverdächtige Habte A., der in Frankfurt ein achtjähriges Kind vor einen ICE gestoßen haben soll, arbeitete nach SPIEGEL-Informationen in der Schweiz für die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), die in der Stadt die Straßenbahn betreiben. Er fand dort offenbar nach einer mehrmonatigen Integrationsmaßnahme im Frühjahr 2018 eine Anstellung und wartete Tram-Waggons in der Werkstatt der Firma.

Auf Anfrage wollte die VBZ "aufgrund der laufenden Ermittlungen" keine Stellungnahme abgeben.

Zuvor hatte Habte A. nach seiner Flucht aus Eritrea laut eigenen Angaben mehrere Jahre für einen Bauschlosserbetrieb in der Schweiz gearbeitet. Weil das Geschäft nicht mehr so gut gelaufen sei, soll er seine Arbeitsstelle verloren haben und zwischenzeitlich arbeitslos gewesen sein.

Der Mann soll am Montag am Frankfurter Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod gestoßen haben. Die 40-jährige Mutter hatte sich der Polizei zufolge auf einen Fußweg zwischen zwei Gleisen gerettet. Sie erlitt einen schweren Schock. Eine weitere, 78-jährige Frau konnte sich in Sicherheit bringen, ohne auf die Gleise zu stürzen. Auch sie hat laut Staatsanwaltschaft einen Schock erlitten. Zudem sei sie an der Schulter verletzt worden. Was noch über die Attacke von Frankfurt bekannt ist, lesen Sie hier.

Im Gespräch mit einem Magazin eines Schweizer Sozialträgers berichtete Habte A. vor gut einem Jahr über sein Leben in der Schweiz: Am Anfang sei es schwer gewesen wegen der Sprache, aber inzwischen nicht mehr. "Mir gefällt, dass hier jeder Hilfe bekommt, egal ob er arm oder reich ist", sagte er. "Und jeder kann essen, und die Existenz ist gesichert. Hier ist die Erste Welt."

Um eine feste Stelle bei den Verkehrsbetrieben zu bekommen, habe er "gearbeitet und gearbeitet", erzählte er in dem Interview. Bis sein Vorgesetzter irgendwann gesagt habe, dass er dauerhaft bei den VBZ bleiben könne. Er würde gern in 25 Jahren noch für den Betrieb arbeiten, sagte er: "Privat wünsche ich mir, dass meine drei Kinder ein besseres und leichteres Leben haben als ich."

Tatsächlich soll Habte A. vor wenigen Tagen in der Schweiz durch ein Gewaltdelikt aufgefallen sein. Das berichtete die deutsche Polizei auf einer Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Demnach soll der Verdächtige gegenüber seiner Nachbarin gewalttätig geworden sein. Die Schweizer Polizei schrieb ihn daraufhin am 25. Juli zur Fahndung aus - wenige Tage vor der Tat in der Frankfurt.

Mehr über die redaktionelle Abwägung, wann die Nationalität eines Tatverdächtigen genannt wird, lesen Sie hier.

agr/apr/rol/wow
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