Zweifel an Identität Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen HSV-Profi Bakery Jatta

Ihm werden Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen: Die Staatsanwaltschaft Hamburg reicht Anklage gegen Fußballprofi Bakery Jatta ein. Er soll angeblich einen falschen Namen tragen.
Einsatz für den HSV: Bakery Jatta soll eigentlich Bakary Daffeh heißen

Einsatz für den HSV: Bakery Jatta soll eigentlich Bakary Daffeh heißen

Foto: Guido Kirchner / dpa

Die Staatsanwaltschaft Hamburg erhebt vor einem Jugendrichter Anklage gegen Fußballprofi Bakery Jatta vom Zweitligisten Hamburger SV. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Jatta werden demnach Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz in vier Fällen sowie in einem weiteren Fall mittelbare Falschbeurkundung vorgeworfen. Nach Auffassung der Behörde soll der Fußballer eigentlich Bakary Daffeh heißen und etwa zweieinhalb Jahre älter sein als von ihm angegeben.

»Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man auf Basis der Ermittlungen Anklage erheben kann«, sagte Jattas Anwalt Thomas Bliwier der Nachrichtenagentur dpa. »Wir sind der Auffassung, Herr Jatta hat seine Identität eindeutig nachgewiesen. Wir werden Stellung nehmen und beantragen, die Hauptverhandlung nicht zuzulassen.«

Jatta soll der Schilderung der Anklage nach im Sommer 2015 ohne Pass und Aufenthaltstitel als Flüchtling über Italien nach Deutschland gereist sein. Im August 2015 habe er sich als Bakery Jatta, geboren am 06.06.1998, ausgegeben. Laut der Staatsanwaltschaft habe er mit der behaupteten Minderjährigkeit erreichen wollen, dass ihm eine Duldung erteilt wird.

Heißt Jatta eigentlich Daffeh?

Tatsächlich heiße Jatta aber Bakary Daffeh, sei am 06.11.1995 geboren und sei unter diesen Personalien bereits bei verschiedenen afrikanischen Vereinen als Fußballprofi tätig gewesen.

Nach dem Erhalt der Duldung in Deutschland im November 2015 habe der Angeklagte den Namen Bakery Jatta teilweise unter Vorlage von Ausweisdokumenten aus Gambia auch bei späteren Anträgen auf Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis benutzt, heißt es. Auch ein Führerschein sei auf diesen Namen ausgestellt worden.

Die Anklage sei vor einem Jugendrichter eingereicht worden, weil der Angeklagte im betreffenden Zeitraum teils Heranwachsender, teils Erwachsener gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft sehe den Großteil der Vorwürfe in einem Bereich, der nach Jugendrecht zu beurteilen sei, heißt es.

Bereits nach einem Medienbericht der »Sport Bild« im August 2019 hatte es Zweifel an der Identität Jattas gegeben. Jatta wehrte sich gegen die Vorwürfe. Über seinen Rechtsanwalt Thomas Bliwier gab er eine angeforderte Stellungnahme sowie einen gültigen Reisepass und einen Auszug aus dem gambischen Geburtenregister beim zuständigen Welcome-Center ab.

SPIEGEL-Recherchen ergaben, dass der HSV schon im Januar 2016 Jattas Vergangenheit überprüft, doch offenbar keine Beweise für eine Identitätsfälschung gefunden hatte. Im September 2019 hatte das Bezirksamt Hamburg-Mitte Ermittlungen gegen Jatta eingestellt.

bbr/ptz/dpa