Bangladesch 13 Beschuldigte nach Feuer in Textilfabrik angeklagt

Mehr als hundert Menschen kamen bei dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch ums Leben. Wegen fahrlässiger Tötung wurde nun Anklage gegen 13 mutmaßlich Verantwortliche erhoben. Unter den Beschuldigten sind auch die Besitzer der Fabrik.

Brand in Textilfabrik in Bangladesch (November 2012): Kampf gegen das Feuer
REUTERS

Brand in Textilfabrik in Bangladesch (November 2012): Kampf gegen das Feuer


Dhaka - Mehr als ein Jahr nach einem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch müssen sich 13 Beschuldigte vor Gericht verantworten. Es sei Anklage gegen das Besitzer-Ehepaar und elf weitere Personen erhoben worden, sagte ein leitender Vertreter der Ermittlungsbehörden. Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen. Unter den Angeklagten befinden sich demnach mehrere Wachleute und Manager der Fabrik Tazreen in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka.

Bei dem Brand waren im November vergangenen Jahres 111 Menschen gestorben, die meisten von ihnen Frauen. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde das Feuer von einem Arbeiter gelegt.

Eine Untersuchungskommission forderte bereits eine Strafe für den Fabrikbesitzer, weil er die Sicherheit der Arbeiter nicht gewährleistet habe. In der Fabrik fehlten Notausgänge, und nur für drei der acht Stockwerke gab es eine Baugenehmigung. Überlebende hatten berichtet, dass sie bei ihrer Flucht vor verschlossenen Toren gestanden und die Aufseher ihnen befohlen hätten, trotz des Feueralarms wieder an die Arbeit zu gehen.

In der Fabrik wurde Bekleidung unter anderem für große, global agierende Textilketten produziert, darunter für Disney und die US-Handelskette Wal-Mart. Nur fünf Monate nach dem Brand ereignete sich in einer anderen Textilfabrik nahe Dhaka das schlimmste Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs: Im April stürzte das Fabrikgebäude Rana Plaza ein, mehr als 1100 Menschen wurden getötet.

Durch die Tragödien gerieten die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in dem südasiatischen Land auch im Ausland stark in die Kritik. Zahlreiche westliche Bekleidungsunternehmen unterzeichneten inzwischen ein Abkommen für mehr Gebäudesicherheit in den Produktionsstätten.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Produzent von Textilien weltweit. Die Branche beschäftigt fast vier Millionen Menschen, überwiegend Frauen. Die Fabriken produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Oft sind die Arbeitsbedingungen in den Fabriken jedoch schlecht: Lange Schichten an sechs Tagen pro Woche sind keine Seltenheit, der Lohn ist niedrig. Hinzu kommt häufig die Missachtung von Sicherheitsvorschriften in den Fabriken.

wit/AFP

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