Anschlag in Boston Obama spricht erstmals von Terrorakt

Barack Obama hat den Anschlag von Boston erstmals als Terrorakt bezeichnet. Noch wisse man nicht, ob eine ausländische oder einheimische Gruppe für das Attentat verantwortlich sei - oder ein bösartiger Einzeltäter. Der Präsident gab sich kämpferisch: Die Amerikaner ließen sich nicht terrorisieren.
Anschlag in Boston: Obama spricht erstmals von Terrorakt

Anschlag in Boston: Obama spricht erstmals von Terrorakt

Foto: MANDEL NGAN/ AFP

Washington - Die US-Regierung und Ermittler sehen die Bombenexplosionen beim Boston-Marathon als Terrorakt an. "Wir wissen nicht, ob dies die Tat eines Einzeltäters oder einer Gruppe ist", sagte Präsident Barack Obama im Weißen Haus. Auch habe man noch keine Hinweise auf ein Motiv. Man stehe am Beginn der Ermittlungen. Die Reaktionen in Boston und im Rest des Landes hätten gezeigt, dass das amerikanische Volk sich nicht terrorisieren lasse.

Der Präsident sprach von einem "gemeinen und feigen Akt". Es werde etwas dauern, bis klar sei, auf wessen Konto das Verbrechen gehe. "Aber wir werden es herausfinden", sagte Obama. Er bekräftigte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.

Mit seinem Statement gab Obama seine verbale Zurückhaltung auf. Er hatte sich bereits kurz nach dem Anschlag geäußert. Bei dieser ersten Reaktion hatte er die Worte "Terror" und "Terrorismus" vermieden. Nun rief er die Bürger dazu auf, wachsam zu sein und verdächtige Vorgänge den Behörden zu melden.

Der Präsident ordnete zu Ehren der Opfer des Anschlags an, die Flaggen am Weißen Haus und an allen öffentlichen Gebäuden im Land auf Halbmast wehen zu lassen. Die Anordnung gilt bis zum kommenden Samstagabend auch für alle Botschaften und Militäreinrichtungen der USA rund um die Welt. Damit solle den Opfern des "sinnlosen Akts der Gewalt" Achtung bezeugt werden, so Obama.

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Boston-Marathon: Der Tag nach dem Anschlag

Foto: AP/ The Boston Globe

Bei dem Anschlag waren drei Menschen ums Leben gekommen, 176 wurden laut Behördenangaben verletzt. Vor Obamas Statement war bekannt geworden, dass es außer den beiden detonierten Bomben keine weiteren Sprengsätze an der Marathonstrecke gab.

Die beiden Sprengsätze sollen aus Schnellkochtöpfen hergestellt worden sein. Das berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press. Sie berief sich auf eine nicht näher bezeichnete Person, die über die Ermittlungen unterrichtet worden sei. Es soll sich demnach um Sechs-Liter-Schnellkochtöpfe gehandelt haben, die in schwarzen Beuteln verstaut worden seien. Die Sprengsätze seien auf dem Boden abgelegt worden und hätten Metallbruchstücke, Nägel und Teile aus Kugellagern enthalten. Man wisse noch nicht, was als Zünder verwendet worden sei.

Nach dem Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Boston und anderen Städten drastisch verschärft. Sicherheitskräfte sperren weite Teile der Bostoner Innenstadt ab. Die Nationalgarde des Bundesstaats Massachusetts ging in der Stadt in Stellung, schwerbewaffnete Polizisten sicherten die Krankenhäuser.

ulz/Reuters/dpa/AP