Messerattacke im ICE »Der Angriff war potenziell tödlich«

Ein 27-Jähriger soll in einem ICE in Bayern drei Fahrgäste mit einem Messer schwer verletzt haben. Das Motiv ist unklar. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Tat vermutlich keinen terroristischen Hintergrund.
Großeinsatz der Polizei in Seubersdorf

Großeinsatz der Polizei in Seubersdorf

Foto: Fabian Schreiner / dpa

Nach einer Messerattacke in einem ICE in der Oberpfalz gehen die Ermittlungsbehörden zurzeit nicht von einem terroristischen Anschlag aus. Das erfuhr der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen. Ein Sprecher der Polizei teilte auf Anfrage lediglich mit, die Hintergründe der Tat seien unklar.

Auf der Fahrt zwischen Regensburg und Nürnberg hatte am Morgen offenkundig ein 27-Jähriger drei Fahrgäste mit einem Messer schwer verletzt. Er wurde vorläufig festgenommen wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt.

»Der Angriff war potenziell tödlich«, sagte der Polizeisprecher. Zum Ablauf der Tat machte er keine Angaben. Bei den Opfern handele es sich um drei Männer aus dem Raum Regensburg und dem Raum Passau. Sie seien in Krankenhäuser eingeliefert worden seien. Die Verletzungen seien »nicht lebensbedrohlich«.

Tatverdächtiger hat Flüchtlingsstatus

Der mutmaßliche Angreifer hat nach SPIEGEL-Informationen bisher keine Aussage gemacht. Es handelt sich demnach um Abdalrahman A. aus Passau, einen anerkannten Flüchtling. Seine Staatsangehörigkeit ist offiziell ungeklärt. Bei seiner Einreise nach Deutschland im Oktober 2014 gab er an, aus Syrien zu stammen. Zwei Jahre später erhielt er den Flüchtlingsstatus. Seine aktuelle Aufenthaltserlaubnis ist noch bis Mai kommenden Jahres gültig.

Laut »Bild«-Zeitung soll Abdalrahman A. psychisch auffällig gewesen sein. Der Polizeisprecher wollte dazu keine Angaben machen. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht mehr. Man gehe davon aus, dass es keine Mittäter gebe.

Gegen 9 Uhr am Morgen war der Notruf bei der Polizei in Regensburg eingegangen. Der ICE, auf der Fahrt von Passau nach Hamburg, stoppte nach der Tat im Bahnhof Seubersdorf in der Oberpfalz. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an; die 200 bis 300 Fahrgäste wurden aus dem Zug gebracht und vom Roten Kreuz betreut.

Die Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft Nürnberg/Fürth. Zur Stunde sichern Beamte der Kriminalinspektion Regensburg Spuren vor Ort und befragen Zeugen. Der Bahnverkehr wurde über Ingolstadt umgeleitet, die Züge auf der Strecke verspäteten sich.

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich entsetzt. »Die grausame Messerattacke im ICE ist furchtbar«, zitierte ihn Ministeriumssprecher Steve Alter auf Twitter. Seehofer hoffe, dass Verletzte und Augenzeugen schnell und vollständig gesund würden.

Zugleich dankte er laut Tweet den Einsatzkräften der Polizei und dem Zugpersonal »für ihren mutigen Einsatz«. Die Hintergründe der Tat müssten nun aufgeklärt werden. »Erst dann ist eine Bewertung möglich.« Seehofer ist bis zur Bildung einer neuen Regierung geschäftsführend im Amt.

rol/sms/dpa
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