Bayern Waffennarr hortete Bomben und Handgranaten in Erdlöchern

Diese Entdeckung hat es in sich: Polizisten haben in Bayern zehn Liter Sprengstoff, mehrere selbstgebastelte Handgranaten und Sprengkörper in verborgenen Erdlöchern sichergestellt. Die Waffendepots hatte ein Obdachloser angelegt - auch in anderen Bundesländern.
Präsentation des Waffenfundes in Bayreuth: Die beiden selbstgebastelten Handgranaten waren nur ein kleiner Teil des Arsenals

Präsentation des Waffenfundes in Bayreuth: Die beiden selbstgebastelten Handgranaten waren nur ein kleiner Teil des Arsenals

Foto: A3542 Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Bayreuth/Erfurt - Ein Waffenliebhaber hat in mehr als zwanzig Erdlöchern in Deutschland und Österreich selbst gebastelte Bomben, Handgranaten, Sprengstoff und Waffen gehortet. Sie wurden jetzt von der Bayerischen Polizei aufgespürt. Die meisten Verstecke lagen in Bayern, doch auch in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und sogar Österreich wurden die Ermittler fündig.

Die Beamten konnten die Waffendepots allerdings erst nach aufwendigen Entschlüsselungsarbeiten aufspüren, bei denen auch Nachrichtendienstspezialisten helfen mussten. Der Grund: Der 53-jährige Berliner hatte sich ein kompliziertes Zahlensystem ausgedacht, das er auf Landkarten eintrug, um seine Waffenlager später wiederzufinden. "Besonders die verschlüsselten Handskizzen stellten die Ermittler vor eine schwierige Aufgabe", teilte die Polizei Bayreuth am Freitag mit.

Im Mai 2008 war die Polizei dem 53-Jährigen durch einen Zufall auf die Spur gekommen. Zwei Beamte hatten den Obdachlosen in Bayreuth kontrolliert, weil der Mann sich mit Handschuhen und einer Zange an einem Fahrrad zu schaffen machte. Als sie den 53-Jährigen durchsuchen wollten, schoss er unvermittelt auf einen der beiden Polizisten. Dessen 37 Jahre alter Kollege schoss zurück und traf den Angreifer sechsmal. Trotz seiner Verletzungen war es dem 53-Jährigen gelungen, wegzulaufen. Er nahm sich das Leben.

Später hatten die Ermittler bei dem Mann die Lagepläne für die Depots entdeckt, die sogar mit einem Inhaltsverzeichnis versehen waren. "Die jeweils aufgezählten Gegenstände wie Handgranaten, Sprengstoff, Bomben, Zünder und Schusswaffen fanden die Kriminalpolizeibeamten tatsächlich in den bislang geöffneten Erddepots", hieß es in der Mitteilung. Die meisten Verstecke gab es in Wäldern in Bayern. Andere wurden in Sachsen, Thüringen und Brandenburg entdeckt, drei Depots sogar in Österreich.

Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass der gelernte Betonbauer ein Terrorist war, sondern Waffen ihn vielmehr nur "begeisterten".

Militärisch sei der Mann nie ausgebildet worden, daher sei unklar, woher er die Kenntnisse zum Sprengsatzbau hatte. Hinweise auf Mittäter gebe es nicht. Der Berliner war in den letzten Jahren nur wegen kleinerer Delikte aufgefallen. Zudem hatte er sich in der Vergangenheit wegen einer Persönlichkeitsstörung in der Psychiatrie behandeln lassen.

tho/dpa
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