BBC-Dokumentation Mordverdächtiger Pistorius ist "tieftraurig"

In einer BBC-Dokumentation über den Tod des Models Reeva Steenkamp kommen Freunde des unter Mordanklage stehenden Oscar Pistorius zu Wort. Sie meinen, der Paralympics-Star sei ein gebrochener Mann. Die Familie widerspricht energisch.

AP/dpa

Pretoria - Während die Ermittler in Südafrika versuchen, Licht in den Todesfall Reeva Steenkamp zu bringen, rätselt die Öffentlichkeit über die möglichen Motive des tatverdächtigen Oscar Pistorius.

War es Eifersucht? Wie die britische "Daily Mail" am Montag berichtet, soll das getötete Model Reeva Steenkamp zwei Tage vor der Tat ihren Ex-Freund Warren Lahoud getroffen haben. So stellt es eine BBC-Produktion dar, die heute Abend gezeigt werden soll. "Oscar Pistorius…Was wirklich geschah", heißt die Dokumentation über den sechsfachen Paralympics-Champion, dessen Privatleben mit dem gewaltsamen Tod der Freundin in einer Katastrophe endete.

Die 29-jährige Steenkamp wurde in den frühen Morgenstunden des 14. Februar im Wohnhaus von Pistorius durch die Badezimmertür hindurch erschossen. Ihr Geliebter ist tatverdächtig. Er wurde wegen Mordes angeklagt und nach Zahlung einer Kaution freigelassen. Pistorius gab vor Gericht an, er habe geschossen, weil er einen Eindringling hinter der Tür vermutet habe.

Der Gemüseexporteur Lahoud erklärt in dem BBC-Film, es habe sich um ein harmloses Treffen gehandelt. Auch habe Pistorius von der fünf Jahre währenden Freundschaft der beiden gewusst und ihn kennengelernt. "Sie hatte mich kontaktiert, wir tranken einen Kaffee zusammen und das war es." Dennoch soll Oscar Pistorius zwischendurch zweimal angerufen und das Gespräch der beiden unterbrochen haben. Steenkamp habe aber erklärt, es sei alles in Ordnung. "Sie kam mir nicht unglücklich vor", so Lahoud. "Sie hat mir immer gesagt, dass sie nie mit jemandem zusammen sein würde, mit dem sie nicht glücklich ist."

Im Rückblick sei er froh, seine Ex-Freundin noch einmal gesehen zu haben. Lahoud bestätigte, dass er und Steenkamp vor deren Tod SMS ausgetauscht haben. Die Daten ihres Smartphones werden derzeit von der Polizei analysiert.

Ein gebrochener Mann?

Lahoud erklärte, er könne sich nicht erinnern, dass Steenkamp während ihrer fünfjährigen Beziehung jemals die Badezimmertür verschlossen habe, während sie im Bad war. In der Mordnacht wurde sie von vier Kugeln durch die geschlossene Tür getroffen - an Arm, Körper, Finger und Kopf.

Ein Freund von Pistorius aus Kindheitstagen, Mike Azzie, sagt in der Dokumentation, der Sportler sei "ein gebrochener Mann" - wohl auch, weil er seine Rennpferde, Autos und Immobilien verkaufen muss, um die Anwaltskosten in dem Verfahren aufbringen zu können. Pistorius spreche ständig über Steenkamp: "Er bittet uns, für sie und ihre Familie zu beten."

Die Familie widersprach der Version, Pistorius sei angeblich suizidgefährdet. "Oscar Pistorius ist tieftraurig, aber trotz der tragischen Situation steht er nicht an der Schwelle zum Selbstmord", hieß es in einem Statement.

Um frei zu kommen, hinterlegte Pistorius eine Kaution von einer Million Rand, umgerechnet 84.300 Euro. Die Bedingungen sind allerdings streng: Zwar steht er offiziell nicht unter Hausarrest, er darf aber den Distrikt Pretoria nicht ohne Erlaubnis verlassen. Pistorius musste alle Reisepapiere abgeben und sich verpflichten, keinen neuen zu beantragen. Beamte besuchen ihn wenigstens viermal im Monat im Haus seines Onkels. Der 26-Jährige musste alle Waffen abgeben, die er besaß. Der Genuss von Alkohol und verbotenen Substanzen ist verboten.

Seine Anwälte haben am Montag Berufung gegen die strengen Auflagen eingelegt. Der nächste Verhandlungstermin ist der 4. Juni.

ala/AP



insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
TonyBliar 11.03.2013
1. Pr
Und gerade deshalb, nicht etwa wegen Fluchtgefahr haette er nicht auf Kaution freikommen sollen!
iffel1 11.03.2013
2. Eitel und selbstverliebt ist dieser Pistorius !
Das sich seine Freundin mit ihrem Ex trifft, war ihr Todesurteil. Die extreme Eitelkeit hat sie völlig unterschätzt und auch die Wirkung von Dopingmitteln auf die Psyche. Hier sollte schnell eine Zelle für die nächsten 50 Jahre frei gemacht werden !
Onkel_Karl 11.03.2013
3.
Zitat von sysopAP/dpaIn einer BBC-Dokumentation über den Tod des Models Reeva Steenkamp kommen Freunde des unter Mordanklage stehenden Oscar Pistorius zu Wort. Sie meinen, der Paralympics-Star sei ein gebrochener Mann. Die Familie dementiert. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bbc-dokumentation-mordverdaechtiger-pistorius-ist-tieftraurig-a-888206.html
Ja natürlich ist er "tieftraurig",da hat er seine Karriere zerstört und alles wegen zu vieler Steroiden und Testosteron. Er bemitleidet nur sich selbst und nicht den Tod der Freundin,sonst würde man nicht 4 mal durch die Tür schiessen und zwar auf der Kopfhöhe. Aber was soll man auch von einem Land halten wo vor laufender Kamera ein Taxifahrer an den Wagen angekettet wird und durch die Strassen geschleift,obwohl es viele mit der Kamera gefilmt haben. Heute haben die Rechtsanwälte von Pistorius ein Antrag gestellt,dass es Pistorius erlaubt aus dem Land auszureisen...einfach toll. Lonmin Mitarbeiter werden von Sicherheitskräften vor laufender Kamera erschossen und der Rest entlassen aber bei uns kümmert es keinen wir sind ja schliesslich woanders am helfen. ihm wird nichts passieren,weil auch in Süd Afrika gibt es extra-Knäste für besondere Häftlinge und da wird Pistorius paar Jahre absitzen,mit Internet und DVD Player...der arme musste seine Anteile an einem Pferd verkaufen...wenn das nicht ein Schlag ins Gesicht der Ermordeten ist.
intelligenzbestie22 11.03.2013
4. Verboten
Der Satz über die ach so strengen Auflagen (der arme Herr Pistorius) sowie der Hinweis, dass Alkohol und verbotene Substanzen verboten seien, klingt in meinen Ohren wirklich "verboten"!!!
meischer_eder 11.03.2013
5. Der Ärmste
Mike Azzie, sagt in der Dokumentation, der Sportler sei "ein gebrochener Mann" - wohl auch, weil er seine Rennpferde, Autos und Immobilien verkaufen muss, um die Anwaltskosten in dem Verfahren aufbringen zu können.
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