Erklärung zu Anwälten Beate Zschäpe wollte Prozess nicht platzen lassen

Beate Zschäpe war sich offenbar über die Bedeutung ihres Vertrauensentzugs gegenüber ihren Anwälten bewusst. Zugleich erklärte sie, dass sie nicht erreichen wolle, dass der Prozess von vorne beginnen muss. Das geht aus ihrer Erklärung und dem Protokoll eines Polizeiobermeisters hervor.

Beate Zschäpe: "Nicht mehr zu ertragen"
AFP

Beate Zschäpe: "Nicht mehr zu ertragen"


Hamburg/München - Beate Zschäpe hat in ihrer schriftlichen Erklärung zum Verhältnis zu ihren Anwälten betont, dass sie den Prozess nicht zum Platzen bringen wollte. Sie hatte die Erklärung von einem Münchner Anwalt aufsetzen lassen. Sie liegt SPIEGEL ONLINE vor. Zu Beginn teilt Zschäpe mit, dass sie "nicht möchte, dass 127 Verhandlungstage wiederholt werden".

In der Sitzung vom 16. Juli hatte die Hauptangeklagte im NSU-Prozess nach der Mittagspause dem Senat überraschend mitteilen lassen, sie habe zu ihren drei Verteidigern Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl kein Vertrauen mehr und beantrage, diese als ihre Rechtsbeistände zu entpflichten. Der Senatsvorsitzende Manfred Götzl forderte Zschäpe daraufhin auf, diesen Antrag schriftlich zu formulieren und zu begründen. Am Dienstag hatte Götzl schließlich verkündet, dass das Gericht Zschäpes Wunsch nach neuen Verteidigern abgelehnt habe, der Prozess wurde daraufhin fortgesetzt.

Zschäpe hatte den Vorgang angeschoben, als sie sich am 16. Juli in der Mittagspause der Verhandlung einem Polizeiobermeister anvertraute. Der Beamte gab zu Protokoll, die Angeklagte habe ihm gesagt, sie habe "schon seit längerem ein Zerwürfnis zu ihren Verteidigern und habe sich die Sache gründlich überlegt". Die Situation sei "so nicht mehr zu ertragen", zugleich sei sie sich im Klaren, dass ihre Entscheidung "weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen wird". Der Beamte war dem Wunsch Zschäpes nachgekommen und hatte die Informationen dem Senat übermittelt.

In ihrer schriftlichen Erklärungen führte Zschäpe dann aus, dass sie ihre Anwälte bei Zeugenvernehmungen gebeten habe, Fragen zu stellen, die sich ihr als Laiin aufgedrängt hätten. Zudem erwähnt sie Probleme mit ihren Anwälten, "die mit der Anklage nichts zu tun haben", ohne sie konkret zu benennen. Diese Probleme würden sie "nicht nur psychisch, sondern auch physisch mehr und mehr belasten".

Der Vorsitzende Götzl hatte die Ablehnung des Antrags damit gegründet, dass Zschäpe nicht ausreichend stichhaltig dargelegt habe, warum das Vertrauensverhältnis zu ihren Anwälten endgültig und nachhaltig erschüttert sein soll.

bim/mgb

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