Bedrohung durch Piraten Reeder fordern Polizeischutz für deutsche Schiffe

Im April haben somalische Piraten einen deutschen Frachter überfallen - nun stellen einige Reeder private Sicherheitskräfte ein, um ihre Besatzungen zu schützen. Der Verband Deutscher Reeder verlangt, dass die Bundespolizei auf deutschen Schiffen mitfährt.

Hamburg - Besserer Schutz unter deutscher Flagge: Um die Sicherheit von Schiffsbesatzungen zu gewährleisten, fordert der Verband Deutscher Reeder (VDR) den Einsatz von Bundespolizisten auf Schiffen, die unter der deutschen Flagge fahren. Momentan sei diese Möglichkeit nicht gegeben, weil das Bundestagsmandat für die EU-Anti-Piraterie-Mission "Atalanta" diesen Auftrag nicht umfasse, sagte der VDR-Sprecher Max Johns.

Seiner Meinung nach solle sich das ändern: "Wir wünschen uns, dass bewaffnete deutsche Kräfte zum Schutz der Besatzung mit an Bord gehen dürfen." Den Aussagen des Sprechers zufolge befinden sich die Reeder aktuell in "guten Gesprächen" mit der Bundesregierung. Johns rechnet damit, dass die Verhandlungen noch vor der Sommerpause einen entscheidenden Schritt weiter kommen werden.

Dass eine bewaffnete Begleitung von Handelsschiffen im Kampf gegen Piraten helfe, zeige der messbare Erfolg des "Atalanta"-Einsatzes, meint Johns. In dem von der internationalen Mission geschützten Gebiet am Horn von Afrika sei die Zahl der Angriffe deutlich zurückgegangen.

"Uns geht es um die Sicherheit der Besatzung"

Wer die Einsätze der Bundespolizei bezahlen soll, ist noch unklar. Über eine finanzielle Beteiligung der deutschen Reeder an den Maßnahmen müsse man sprechen, wenn der Einsatz beschlossen sei, so Johns.

Laut VDR fahren derzeit etwa 500 Schiffe unter deutscher Flagge, allerdings durchquert nur ein Teil davon die Piratengebiete. Demnach werde auch nur für diese Schiffe der Einsatz von sechs bis zehn Sicherheitskräften für jeweils zwei bis drei Tage gefordert, erklärte der Sprecher des Verbands. "Uns geht es um die Sicherheit der Besatzung, denn sie ist das Gut, das die Piraten suchen", sagte Johns.

Nach dem Überfall von Piraten auf das deutsche Schiff "Taipan" im April hatte die Reederei private bewaffnete Sicherheitsmänner an Bord geholt. Dafür hätten sie aber das Schiff ausflaggen müssen, weil der Einsatz privater Schutzkräfte unter deutscher Flagge rechtlich schwierig gewesen sei, sagte Roland Höger, Geschäftsführer der überfallenen Reederei Komrowski auf einer Pressekonferenz in Hamburg.

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