Beleidigung Staatsanwaltschaft ermittelt erneut gegen Morsals Mörder

Seine Schimpftiraden haben Konsequenzen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Mörder der 16-jährigen Morsal wegen Beleidigung. Er hatte nach dem Urteil gegen ihn den Anklagevertreter massiv beschimpft.


Hamburg - Die Staatsanwaltschaft leite ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen den 24-Jährigen ein, wie Behördensprecher Wilhelm Möllers am Freitag sagte. "Wir halten es aus Gründen der Achtung vor der Justiz für geboten, die Tat zu verfolgen." Nach dem lebenslangen Urteil am Freitag vor einer Woche hatte Morsals Bruder Staatsanwalt Boris Bochnik unter anderem als "Hurensohn" beschimpft.

Ermordete Morsal O.: Tumulte im Gerichtssaal
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Ermordete Morsal O.: Tumulte im Gerichtssaal

Die Staatsanwaltschaft sei der Auffassung, dass das Verhalten des Verurteilten "deutlich jenseits bloßer Taktlosigkeiten liegt, wie sie ein Angeklagter berechtigterweise bei einer Verurteilung zu lebenslanger Haft haben darf", sagte der Sprecher.

Gegen Bochnik war später eine anonyme Todesdrohung aufgetaucht. Seit Anfang der Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft daher wegen Verdachts der Bedrohung gegen Unbekannt. Noch am Tag der Urteilsverkündung war bei der "Hamburger Morgenpost" eine E-Mail eingegangen, in der laut Möllers stand: "Boris Staatsanwalt wird tot sein, denn wir Afghanen nehmen Rache."

Das Landgericht hatte den 24-Jährigen wegen heimtückischen Mordes an seiner Schwester Morsal zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Ansicht der Richter hat er die 16-Jährige im Mai 2008 aus Wut über ihren westlichen Lebensstil mit 23 Messerstichen getötet. Nach dem Urteil war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Die Verteidigung hat Revision gegen die Gerichtsentscheidung eingelegt.

Die "beleidigenden Äußerungen" nach dem Urteil gingen "über eine noch vertretbare bloße Unhöflichkeit oder Taktlosigkeit" hinaus, betonte Möllers. Die Staatsanwaltschaft habe zudem Anhaltspunkte dafür, dass O. sich auch gegenüber dem Gericht und Justizwachtmeistern "abfällig verhalten" habe.

Die Behörde werde die entsprechenden Akten an Landgericht und Justizverwaltung weiterleiten - diese könnten dann prüfen, ob sie ebenfalls Strafanzeige stellen. Beleidigung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüft gegen den verurteilten Mörder auch den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Er soll im November 2007 gemeinsam mit einem weiteren Verdächtigen eine Frau - sie wurde 1977 in Afghanistan geboren - vergewaltigt haben.

jdl/dpa

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