Belgien Auch Kleinkind fällt Lütticher Amokläufer zum Opfer

In Belgien herrscht Trauer und Fassungslosigkeit nach dem Amoklauf von Lüttich. Ein Attentäter hatte am Dienstag mit Granaten und einem Sturmgewehr ein Blutbad angerichtet. In der Nacht erlag ein 17 Monate altes Kleinkind seinen schweren Verletzungen, damit steigt die Zahl der Toten auf fünf. 

DPA

Lüttich - Nach dem Anschlag in der belgischen Stadt Lüttich ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Ein Mann hatte am Dienstag Menschen im Stadtzentrum mit Granaten und Schüssen angegriffen. Der 33-Jährige tötete zwei Teenager und eine Rentnerin, bevor er sich laut Behörden selbst erschoss. Am späten Dienstagabend starb ein 18 Monate altes Kleinkind im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen.

Der Amoklauf ereignete sich zur Mittagszeit auf einem Weihnachtsmarkt der belgischen Stadt. Stundenlang kursierten Gerüchte über die Flucht eines möglichen Komplizen, und die Innenstadt wurde bis zum Abend abgeriegelt. Einen terroristischen Hintergrund schloss das Innenministerium aber rasch aus.

Mehr als 120 Menschen wurden verletzt. Mehrere von ihnen befinden sich noch in einem kritischen Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hatte. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, hieß es.

Den Namen des Täters geben die Behörden mit Nordine A. an. Er sei wegen Waffen- und Drogenbesitzes vorbestraft gewesen, sagte Staatsanwältin Danièle Reynders. 2008 war er wegen illegalen Waffenbesitzes zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am Dienstag sollte er zu einer Anhörung bei der Polizei erscheinen, tauchte dort aber nicht auf.

Premier spricht von einem Einzeltäter

Der Lütticher habe sich am späten Vormittag mit dem Wagen Richtung Innenstadt auf den Weg gemacht und ein Sturmgewehr, einen Revolver und zahlreiche Handgranaten in einem Rucksack dabeigehabt. Auf dem Platz Saint-Lambert, wenige Meter vor dem gutbesuchten Weihnachtsmarkt, schlug er gegen 12.30 Uhr zu: Von einem Vorplatz warf er drei Handgranaten in einen Unterstand an einer Bushaltestelle und eröffnete das Feuer.

Bei den fünf bis Dienstagabend identifizierten Toten handelt es sich der zuständigen Staatsanwältin Danièle Reynders zufolge um zwei Jugendliche von 15 und 17 Jahren, eine 75-jährige Frau und das Kleinkind. Auch der Attentäter selbst kam ums Leben. Ob er Selbstmord beging oder sich unbeabsichtigt umbrachte, sei noch nicht geklärt, sagte Reynders. Polizisten hätten ihn nicht getötet. Nach der Tat wurden noch mehrere nicht gezündete Granaten in seinem Rucksack gefunden.

Das Blutbad löste in Belgien Entsetzen und tiefe Trauer aus. Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. den Tatort. "Das ganze Land teilt Ihren Schmerz", sagte Di Rupo an die Adresse der Familien der Opfer. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer "Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat". Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister für Mittwochmorgen an.

cte/dapd/dpa



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